Weltfrauentag

Heute ist der Weltfrauentag!

Für uns in Europa nichts besonderes mehr. Allerdings wird der Tag in Berlin erstmal als Feiertag begangen, und ich finde es angebracht an all die Frauen zu denken, die in so vielen Ländern noch  weit weg sind von der Gleichberechtigung und den einfachsten Rechten.

Anbei ein Beitrag von Günter Lanier, mit dem ich seit einigen Wochen im schriftlichen Austausch bin.

Nachzulesen unter: http://www.radioafrika.net/2019/03/06/besser-als-1000-worte/

 

Geschlechterungerechtigkeit, nachhaltig, umfassend[1].

Günther Lanier, Ouagadougou 6.3.2019.

8. März, Internationaler Frauentag.

 [2]

Das Bild ist von Adrien Folly-Notsron – er signiert als KənAd oder KanAd. Auf LinkedIn bezeichnet er sich als Illustrator, Comics-Autor, Grafiker. Er ist aus Togo, wurde 1983 in Lomé geboren. Seit Dezember 2007 ist er directeur artistique, also künstlerischer Direktor, von AGO Média in Lomé.

Merci beaucoup, Adrien, für die Rechte an dieser Karikatur![3] Dass sie zehn Jahre alt ist, macht sie um nichts weniger wahr. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte.

Die hier dargestellten vielfältigen Zuständigkeiten und Arbeiten der Afrikanerin (für eine Europäerin wäre es nicht viel anders) konzentrieren sich aufs Reproduktive: Kochen, Waschen, Kindergroßziehen, Kranken und Alten-Pflege[4]. Das sind Aufgaben, die auch in den modernsten Ökonomien aus dem formellen Sektor weitgehend ausgeklammert bleiben, Arbeit, die nicht zu Ware gemacht wurden. Und dieser fürs kurz- und langfristige, fürs individuelle und auch gesellschaftliche Überleben so essentielle Bereich obliegt ganz “natürlich“ den Frauen – Anhängsel ihrer Gebärfähigkeit, sozusagen.

Es soll darob allerdings nicht vergessen werden, dass der Beitrag der Frauen zur Produktion auch erheblich, wenn nicht sogar dominant ist. Einer der sieben Arme der karikierten Frau hält eine daba, das Standard-Gerät der westafrikanischen Landwirtschaft – Querbeil ist der im Deutschen wenig übliche Fachausdruck.

Was Burkina betrifft, wird der Beitrag der Frauen zum Bruttoinlandsprodukt, also zur gesamtwirtschaftlichen Produktion, auf 70% geschätzt. Ihr Anteil an der landwirtschaftlichen Produktion soll bei 80% liegen.

Reich werden die Frauen von all dieser Arbeit nicht. Nicht einmal Anerkennung “ernten“ sie. Macht schon gar nicht. Weil die gehört den Männern – genauso “natürlich“ wie die Reproduktion Sache der Frauen ist.

Aufruf zum Streik

In Burkina ist der 8. März Feiertag. In den Jahren der Revolution[5] mussten an diesem Tag die Männer am Markt einkaufen und sich um den Haushalt kümmern. Davon ist nur mehr wenig übriggeblieben. Aber immerhin wird an einem von dreihundertfünfundsechzig Tagen die Frau “geehrt“ und es wird fast von ihr erwartet, dass sie ihre vielfältigen Pflichten ruhen lässt und einmal über die Stränge schlägt.

Doch warum lassen sich die Frauen das restliche Jahr über bieten, was die Männer tun und nicht tun? Lieben sie uns wirklich so sehr?

Die Zeit ist überreif für einen Streik. Sollen die Männer doch schauen, wo sie bleiben, wenn die Frauen koordiniert und weltweit ab dem 9. März alle Arbeit ruhen lassen!

 [6]

Indien weist den vielarmigen Frauen einen radikaleren Weg. Die Göttin Durga wird mit vier, sechs oder acht Armen dargestellt, manchmal auch mit zehn, achtzehn oder zwanzig. Und diese Arme halten typischerweise Waffen. Auf einer Vielzahl von Darstellungen hat diese Große Göttin gerade den Büffeldämon Mahishasura überwunden – männliche Götter konnten das nicht.

Durga ist auf diesem Gemälde hellblau dargestellt – die Farbe hinduistischer GöttInnen. Doch Durga ist in Wirklichkeit ebenso schwarz[7] wie ursprünglich alle InderInnen. Ihr verbreitetster Beiname ist Kali, das bedeutet “die Schwarze“.

Hier liegt ihr Shiva zu Füßen und betet sie an:

 [8]

Nur selten sind sich schwarze Frauen ihrer Macht bewusst.

Doch wie lange werden sie noch das Spiel der Männer mitspielen?

 [9]

Dann Gnade uns die Göttin!

 

Endnoten:

[1] Über’s Kulturelle geht diese Ungerechtigkeit freilich weit hinaus: “(…) ist unsere kulturelle Geschlechterungerechtigkeit durchaus nachhaltig und umfassend zu nennen“, aus: Marlene Streeruwitz, Was Frauen sind und wie sie leben sollen. Essay, Standard 5.3.2019, https://derstandard.at/2000098782878/Was-Frauen-sind-und-wie-sie-leben-sollen.

[2] Die Karikatur hat meines Wissens keinen Titel. In Schwarz-weiß transformiert von GL. Färbiges Original siehe unten.

[3] Merci auch an Ulrich Burggraf von der Partnerschaft Piela-Bad Münstereifel e.V. (http://piela-cuofi.de/), der mir diese Karikatur zukommen hat lassen.

[4] Am afrikanischen Land kommt noch Holzsammeln und (nicht dargestellt) Wasserholen dazu.

[5] 1983-87.

[6] Durga triumphiert über Mahishasura. Gemälde. Foto GL 17.9.2011, färbiges Original siehe unten.

[7] Bevor meine liebe Lisa Fischer nach Indien fuhr, fragte sie mich, was sie mir mitbringen könnte. Ich wünschte mir eine Kali. Der Maler, den sie dann auf ihren indischen Reisen beauftragte, weigert sich, sie schwarz darzustellen – das sei zu unheilvoll. So wurde “die Schwarze“ hellblau.

[8] Die Göttin Kali tanzt auf Shiva, Iconographic Collections, Wellcome Images, https://en.wikipedia.org/wiki/File:Goddess_Kali_dancing_on_Shiva._Wellcome_L0043631.jpg.

[9] Tröma Nakmo (“Schwarze zornige Mutter”), eine tibetanische buddhistische Kali, Ausschnitt eines Gemäldes von Machig Labdron, 19. Jhdt, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Troma_Nagmo_closeup.jpg.

Einladung Mitgliederversammlung

Einladung

an alle Mitglieder der Partnerschaft Piéla – Bad Münstereifel e.V.,

Hiermit laden wir Sie herzlichst zur Mitgliederversammlung

am Samstag, 23. März 2019

um 20:00 Uhr in die Gaststätte Prinz

Arandstraße 17, Bad Münstereifel-Mutscheid

ein.

Anschließend Bildvortrag zur diesjährigen Reise nach Piéla.

Es handelt sich um eine offene Versammlung, daher sind auch Nichtmitglieder sehr herzlich eingeladen.

Newsletter Nr. 117 der DBFG

Liebe Mitglieder der DBFG,

hier ist der Link für den neuesten Newsletter der DBFG:
http://www.dbfg.de/NL_117.pdf
Geben Sie ihn bitte in Ihrer Gruppe, Ihrem Verein und an alle
Interessierten weiter.

05.02.2019 Fazit

Diese, meine 3. Reise nach Burkina Faso, war anders als die vorherigen. Das lag zum einen am sehr starken Fokus auf das Ausbildungszentrum, aber leider auch an der veränderten Sicherheitslage. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, die Reise letztendlich anzutreten, jedoch kann man auch am Kölner Bahnhof angeschossen werden. Wir haben uns Regeln gesetzt, die wir sehr strikt eingehalten haben. Aus diesem Grund konnten wir nicht alle Projekte begutachten oder alle Kinder treffen. Ich habe auch bei den Menschen ein starkes Gefühl der Unsicherheit verspürt. Am letzten Tag konnte man dann auch bei ihnen die Erleichterung verspüren, dass alles gut gegangen ist.
Trotz allem war die Reise erfolgreich und absolut notwendig. César hat mir am Abend nach dem Ministerbesuch gesagt: „Das hätten wir alleine nicht erreicht“. Es ist so, wie es am Ende auch oft bei uns ist. Man kann viele Dinge aus der Ferne regeln, in Deutschland per Telefon, Videokonferenz, per Mail usw., jedoch am besten funktionieren Dinge, wenn man sie persönlich besprechen kann. Wenn es dann noch Unterschiede in Kultur und Verständnis in der Sache gibt, lassen sich diese Dinge nur persönlich klären. Ich fand es gut, dass der Minister uns persönlich empfangen hat und danke all den „kleinen und großen Brüdern“, die dabei geholfen haben. Das sind alles Leute, die in der Provinz GnaGna aufgewachsen sind und auf diese Weise etwas zurückgeben konnten.
Nach der Zusage haben wir sehr schnell die Inhalte der Vereinbarung bearbeitet, dann musste ich wieder einmal feststellen, dass man hier nicht Dokumente vorbereitet die man erst übermorgen oder gar noch später braucht. Ich hätte die Dokumente so schnell wie möglich an die zuständigen Stellen geschickt, César meinte aber: Nein, wir fahren doch erst in der letzten Woche nach Ouaga. Genau so ist es mit Terminen, diese macht man morgens für den gleichen Tag.
Mir persönlich hat der Aufenthalt erneut neue Einblicke in das Leben vor Ort gegeben. Ich bin trotz der vielen Arbeit recht entspannt und glaube, auch wieder sehr nah auf dem Boden der wichtigen Themen angekommen. Wenn ich hier sehe, wie die Kinder aufwachsen, und wie selbstständig sie schon mit 2 Jahren sind, dann bin ich immer wieder begeistert. Ich durfte erstmals gemeinsam mit der gesamten Familie zusammen im Haus leben. Bisher waren immer „nur“ César und ich alleine im Haus. Im ersten Jahr war Wendy noch zu Hause. Trotzdem habe ich nicht voll integriert hier gewohnt, da César und ich für mich meistens separat gekocht haben. Ich habe auch diese 4 Wochen ohne jegliche Beschwerden geschafft und das bestätigt mich in diesem Handeln, auch wenn nicht jeder das versteht. Persönlich hat mich gestört, dass ich kein Französisch spreche und so nicht direkt mit Angéline und den Kindern sprechen konnte. Das möchte ich ändern, weiß aber nicht, ob ich das schaffe, eine neue Sprache zu lernen.
Ab sofort gilt es das was wir in Burkina Faso vorbereitet haben, dort noch zu finalisieren. Ebenfalls muss der Antrag schnell beim deutschen Ministerium für Zusammenarbeit gestellt werden, damit dieser so bald wie möglich genehmigt werden kann. Dazu muss ich aber keinen Minister besuchen, das geht mit ganz viel Papier und wahrscheinlich einigen Telefonaten und Rückfragen. Ihr seht, es gibt immer was zu tun.
Ich weiß, für was und vor allem, für wen wir das alles tun. Es sind MENSCHEN, FREUNDE, es ist fast wie FAMILIE. Diese haben nicht das Glück, dort zu leben, wo man keinen Hunger, keinen Durst und keine Sorge um Bildung haben muss. Ich bin gerade so kurz nach dem Besuch noch sehr emotional betroffen, wenn ich das schreibe.
Wenn jemand durch den Bericht so neugierig geworden ist, dass er unbedingt mithelfen möchte, so ist jeder WILLKOMMEN!
Wer mal mit nach Piéla möchte, ebenfalls.
Wer Fragen hat, kann sich gerne bei mir melden, per Kommentar oder auch auf allen anderen Wegen (WhatsApp, Facebook, Mail, Telefon, oder sogar persönlich).
Das ist mein abschließender Beitrag zur Reise. Bei der Mitgliederversammlung werden wir auch Bilder zeigen. Gerne auch noch zu anderen Terminen.
Beste Grüße
Uli

Carine und Ida

Patenkinder

Studentin Marie Thérèse

Student Bruno

Komitee des Gymnasiums

02.02.2019 AUF WIEDERSEHEN

02.02.2019

Heute ist der letzte Tag meiner Reise, zumindest in Burkina Faso. Nach Hause komme ich erst morgen. Nach dem Frühstück haben wir in einem Internetcafé noch ein paar Sachen ausdrucken lassen. Anschließend sind wir in einen Biergarten gefahren, wo Jugendliche direkt davor Autos „spülen“: Originalton César. Zu dem schönen Garten bestellten wir noch ein paar Patenkinder. Auch Césars älteste Tochter Carine geht hier zu Schule. Deshalb lebt sie bei einem Onkel von César. Sie ist damit nicht glücklich, César möchte sie jedoch noch nicht alleine wohnen lassen. Kann ich verstehen, jedoch habe ich ihm gesagt, dass er irgendwann loslassen muss und darauf vertrauen, dass sie mit ihren 21 Jahren vernünftig genug dafür ist. Carine macht hier so etwas wie das Fachabitur bei uns und es klappt ganz gut, sagt auch ihr Oberlehrer (Schulleiter), der nämlich auch zu uns stößt. Früher hat es mit Carine in der Schule nicht so gut geklappt, sehr zum Ärger von César, der ja von Beruf Lehrer ist.

Auch Daniel kam zum Biergarten, er war am Morgen auch nicht untätig. Er hat unseren Entwurf zur Vereinbarung etwas überarbeitet und vier Mal gebunden. Nachdem wir gesagt haben, dass die Anpassungen ok sind, wurde die Vereinbarung von uns dreien unterschrieben. Somit ist dieser Teil in trockenen Tüchern. César wird am Montag erneut beim Ministerium vorstellig werden, um auch diese Vereinbarung voran zu bringen. Ich hoffe, die lassen jetzt nicht locker, wenn ich weg bin. Auch Ina kam zum Treffen, das jetzt schon mehrere Tische in Beschlag nahm. Ich mag sie echt sehr, sie hat für die hiesigen Verhältnisse ein riesiges Haus und ist demnach sehr erfolgreich. Sie hat Zugang zu den höchsten Kreisen, inklusive des Präsidenten von Burkina Faso ??, und ist doch so bodenständig geblieben. Sie hatte für Daniel anscheinend ein paar Geschenke besorgt, und direkt selbst auch noch welche mitgebracht. Meine Vermutung, mit fast leeren Koffern zurück zu kommen, wurde so zunichte gemacht. Allerdings habe ich beim Gepäck 30 Kilo abgenommen, ich selbst wahrscheinlich nicht.

Nach unserer sehr langen „Treffung“ im Garten sind wir in die Herberge gefahren, haben noch mal die letzten Versionen unser Dokumente ausgetauscht, ich habe noch mal geduscht und gegen 19:00 Uhr sind wir zum Flughafen. Brüssel Airlines hat wieder viel Chaos im Flugbetrieb. Flug annulliert, verschoben… mal sehen, wohin die mich heute Nacht noch bringen.

Am Flughafen habe ich die Koffer abgegeben und bin dann noch mal mit den Freunden auf ein letztes Bier rausgegangen. Neben César, Matthias, Jean- Didier und Celine, sind noch Daniel und  der Bürgermeister aus Koalla und ein Freund, der bei GIZ arbeitet, gekommen. Ina ist kurzfristig verhindert. Dass ein einzelner jemanden zum Flughafen fährt, ist hier undenkbar. Vor dem Abflug Terminal sind immer größere Gruppen, um Passagiere zu verabschieden. Begleiter dürfen seit den Anschlägen vor 3 Jahren nicht mehr mit ins Terminal.

Jetzt bin ich im Wartebereich vorm Abflug und schreibe euch den letzten Bericht aus Burkina Faso ??. In den nächsten Tagen werde ich noch weitere Fotos hochladen und darüber berichten, wie es mit der Vereinbarung ausgeht. Arbeit gibt es jetzt auch zu Hause wieder genug. Allerdings werde ich bestimmt ein paar Tage zur Akklimatisierung brauchen. Hier sind es jetzt um kurz vor halb 12 noch 30 Grad. So, jetzt muss ich ins Flugzeug. Bis bald ????

Uli

 

01.02.2019 Ouagadougou

Donnerstagmorgen vor, während und nach dem Frühstück tätigt César einige Telefonate mit verschiedenen Bekannten und Verwandten und so kommt es, dass wir mittags einen Termin mit der Direktorin im Ministerium haben, die unsere Entwürfe bekommen hat. In der Zwischenzeit treffen wir uns noch mit Abbé Pierre, der heute in Ouaga ist, aber wieder zurück nach Fada muss. Ihm geht es gut und er grüßt ganz herzlich alle, die er kennt. Da wir an einer schönen Stelle sind (im Garten einer Internationalen Universität), bestellt César kurzerhand 2 unserer Studenten dorthin. Bruno findet uns noch ganz gut, Marie Thérèse schafft es erst spät, so dass wir nur noch kurz Zeit haben, bevor wir zum Ministerium müssen. Beiden haben wir mitgegeben, dass sie sich öfter bei mir melden sollen, damit wir wissen, wie es im Studium voran geht. Mit Marie Thérèse funktionierte das ganz gut, wurde in der letzten Zeit jedoch etwas weniger. Sie schrieb mir mal, ihr Handy sei verdorben.

Auch heute waren wir pünktlich im Ministerium! Diesmal mussten wir etwas warten, weil Frau Kiema noch eine „Treffung“ hat, wie César immer so schön sagt, wenn er eine Besprechung oder ein Treffen meint. Frau Kiema ist Direktorin im Ministerium und verantwortlich für Projekte und deren Koordination. Sie war etwas überrascht, weil der „kleine Mann“, so nennen wir den Kontaktmann im Ministerium, ihr die Unterlagen nur unvollständig weitergeleitet hat. Daher macht sie uns erst mal nicht viel Hoffnung, dass wir alles bis morgen final unterzeichnet haben, sie sagt mir aber zu, dass ich, wenn es nicht klappt, die Unterlagen in der nächsten Woche bekomme. Sie spricht gut Englisch und so kann ich auch direkt mit ihr reden. Sie werde es versuchen, jedoch müssen einige Dinge auch ihren geregelten Weg gehen, das verstehe ich sogar. Wir geben die Hoffnung aber nicht auf. Am Nachmittag rief der Hochkommissar an und meinte, er könne die Bescheinigung zur Gemeinnützigkeit ausstellen und habe seine Mitarbeiter angewiesen, uns zu unterstützen. Morgen wird ein Freund von César (einer von 1000) die Gebühr bezahlen und dann bekommen wir die Bescheinigung. Vielleicht hilft es oder es geht genau so in letzter Minute, dass wir die Vereinbarung doch noch fertigbekommen. Das Papier ist mir nicht so wichtig, wenn der Inhalt und die generelle Vereinbarung in Ordnung sind und nur noch  2-3 Unterschriften fehlen. Dann kann ich mit ruhigem Gewissen nach Hause fliegen. Auch heute war es wieder wichtig, dass man gesehen hat, dass jemand aus Deutschland kommt, um dieses Projekt zu unterstützen. Frau Kiema meinte beim Abschied, sie würde sich das auch mal gerne in Deutschland anschauen und freue sich über eine Einladung . Am Nachmittag haben wir dann Angélines neues Notebook zu einem „Experten“ gebracht, der dem Gerät die französische Sprache beibrachte und auch das Office Paket in französischer Sprache aufspielte. Der Laden war mit 2×2 Meter sehr überschaubar, der Mann wusste jedoch, was er tun muss. Das geht nicht so einfach wie bei uns, wo man sich einfach ein anderes Sprachpaket runterlädt. Internet funktioniert nur über das Handy. Das geht hier in Ouaga echt gut, aber für einen Download von mehreren GB reichte es nicht und würde zudem das Guthaben eines ganzen Monats verbrauchen. Daher werden die Computer auch noch so selten eingesetzt. Angéline hat den Rechner von ihrem Bruder geschenkt bekommen, der in Kanada lebt und dort ein gutes Geschäft betreibt. Er hat sie angerufen, sie solle sich einen bestellen. Da kaum einer Ahnung hat, war eigentlich nur die Frage, ob Dell oder HP. Es wurde ein Dell, der am nächsten Tag in Piéla vorbeigebracht wurde. Mit englischem Sprachpaket und Tastatur.

Am Abend sind wir dann wieder in unser Stammrestaurant und haben leider erneut nicht den Grillteller bekommen können. Wahrscheinlich fehlten ein paar Zutaten. Also entschieden wir uns beide für ein Hähnchen mit Knoblauch. Gab es ja schon lange nicht mehr. Anschließend kam Daniel noch vorbei und wir sprachen über die Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Verein. Er sandte uns noch in der Nacht ein Muster einer anderen Vereinbarung zu, anhand derer wir unsere anpassen konnten.
Freitagmorgen wollten wir etwas auf dem Markt einkaufen, daher wollte César in der Nähe des Marktes auch frühstücken. Dummerweise war das Restaurant nicht mehr da, wo er es vermutete.
Da wir nicht noch 2 x hin und her fahren wollten, gingen wir zuerst auf den Markt /Basar oder wie immer man das nennen soll. Beim Eingang fragte ich mich, warum dort so viel Fliegen waren, dann sah ich die Frischfleischabteilung. Geschlachtetes lag natürlich ungekühlt auf einfachen Holztischen zum Verkauf und wurde so zerlegt, wie die Kunden es wollten und in einer Plastiktasche mitgenommen. Wir wollten nach ein paar Mitbringseln schauen und als ich sagte, ich würde gerne mal ein paar Ledersachen sehen, kamen aus allen Ecken Leute mit Ledersachen. Leider nichts Schönes. Es verkaufen sehr viele Leute die gleichen Sachen und mir erscheint das nicht wirklich lohnend. Anschließend sind wir noch etwas durch die Stadt gefahren, haben neue Tische für das Mädchenwohnheim in Piéla gekauft, weil dort alle kaputt sind.
Den späten Nachmittag haben wir an der Vereinbarung mit der Kommune Piéla gearbeitet, so dass Daniel diese morgen noch ausdrucken und unterschreiben wird. Dann rief Daniel an und bat uns, noch einmal zu Ina zu kommen. Ina ist die erfolgreiche Geschäftsfrau, die auch 4 Jahre in unserem Mädchenwohnheim gelebt hat. Bei Ina waren nicht nur Daniel, sondern auch weitere hochrangige Männer versammelt. Einer ist der Berater des Präsidenten, ein anderer war ein früherer Minister, ein weiterer Abgeordneter im Parlament. Dieser brache Matthias und Jean Didier zu Ina, die heute mit dem Bus von Piéla nach Ouaga gekommen sind. Ebenso waren noch andere Freund von Ina anwesend, die alle mit der Provinz GnaGna irgendwie verbunden sind. Alle bedankten sich herzlich für die Unterstützung und lobten den Weg, den wir gehen. Es sei sehr wichtig, in die Ausbildung zu investieren. Jetzt bin ich müde und werde meine vorerst letzte Nacht, zumindest für diesen Besuch, in Burkina Faso verbringen. Schade, aber auch schön. Ich freue mich aufs Wiedersehen mit meinen Lieben, auch wenn die ca. 40 Grad Temperaturunterschied hart werden.

Gute Nacht
Uli

 

30.01.2019 Abschied aus Piéla

Am Dienstagabend haben wir mit reichlich Hähnchen Abschied gefeiert, Bier gab es natürlich auch. Nach dem Essen hat César ein Stück weißen Stoff an die Wand gehängt, den Beamer aufgebaut und dann haben wir den Vorspann Film vom Bigband Konzert mehrere Male angeschaut. Kino in Piéla .Vor allem die alten Bilder sorgten für Belustigung und riefen alte Erinnerungen wach. So habe ich wieder nette Geschichten aus der Anfangszeit erfahren. Wir haben beschlossen, Mittwochmittag nach Ouagadougou aufzubrechen, falls wir bis Mittwochvormittag keine Antwort auf unsere Mail ans Ministerium erhalten. Es kam keine Antwort und so machten wir uns auf dem Weg. Morgens habe ich mich schon von Artur, Wendy und Angéline verabschiedet. Wir immer, geht das hier so, als würde man zur Tankstelle fahren: Auf Wiedersehen und gute Reise. Wendy hat noch Grüße an Martina, Annika und Nils ausgerichtet. Sie ist so viel weiter als viele Gleichaltrige. Während die andern Kinder spielten, saß sie gestern Abend in einer Ecke und lernte. 9 Jahre und schon in der 5. Klasse . Ich habe ihr und César gesagt, dass sie jederzeit bei uns willkommen sei, wenn sie z.B. mal studieren möchte. Ich sagte in 8 Jahren und sie meinte, sie komme in 2 Jahren. Ich mag alle Kinder, aber Wendy ist und bleibt meine Nr. 1. Vom kleinen Tony habe ich mich mit Luftballons verabschiedet. Er hat es mit seinen 2 Jahren faustdick hinter den Ohren. Weiß genau, wie er sich gegen seinen 4 Jahre älteren Bruder durchsetzt.

 

Die Fahrt war wie immer, holprig und viel zu lang.

Zumindest sind wir jetzt in Ouaga und können die nächsten beiden Tage schnell reagieren bzw. um einen kurzfristigen Termin bitten. Wir sind erneut in der gleichen Herberge wie bei den letzten beiden Aufenthalten. Sehr einfach, für hiesige Verhältnisse sauber und für unsere Verhältnisse günstig. Ein Zimmer kostet 7,5 €/ Nacht. Das nimmt César in seiner Herberge in Piéla auch für die klimatisierten Zimmer, 6 € für die ohne. Césars Herberge läuft ganz ordentlich dafür, dass sie noch nicht so bekannt ist. Er hofft, dass er, wenn die Straße gemacht wird, alle Zimmer über längere Zeit an die Arbeiter vermieten kann.

Die Route National 18, vergleichbar mit einer Autobahn, natürlich nur vom Rang her, soll mit Teer versehen werden. Somit könnte man auf geteerten Straßen von Ouaga bis nach Piéla gelangen. Wäre etwas weiter, aber bestimmt schneller. Mal sehen, wie es beim nächsten Mal sein wird.

Jetzt gehen wir essen, das erste Mal seit langem etwas anderes als Hähnchen

Gute Nacht und drückt uns die Daumen, dass alles so klappt, wie wir uns das vorstellen

Uli

Newsletter NL 116 der DBFG

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29.01.2019 Rückblick auf Montag

Hier nun der Rückblick auf gestern:

Geplant war, die Dokumente für den Hochkommissar auszudrucken und in Bogandé abzugeben. Außerdem wollten wir noch die beiden verbliebenen Partnerschulen besuchen. Beim Durchlesen der Anforderung fällt uns auf, dass noch eine Liste mit den Mitgliedern des Vorstands fehlt  Diese Liste muss mit Kopien der Ausweise und Unterschriften versehen sein. Also eine Liste erstellen (mit dem schon geschilderten Problem in Word), alle Mitglieder anrufen und bitten, zu César nach Hause zu kommen (direkt). Obwohl ich die afrikanische Gelassenheit schon sehr angenommen habe, sah ich durch diesen Umstand am Ende den Erfolg der ganzen Reise gefährdet und war ziemlich ungehalten. Das habe ich César auch gesagt. Aber es ließ sich nicht mehr ändern. Stunden später ging es nach Bogandé zum Hochkommissar. Der zuständige Mann und der Hochkommissar waren nicht da. Ein anderer Mitarbeiter hat sich dann unserem Anliegen doch noch angenommen und sich die Sachen schon einmal angeschaut. Jetzt müssen wir sehen, dass wir die Bescheinigung noch bekommen, bevor es am Donnerstag?? nach Ouaga geht. Ich habe daraus gelernt und werde César bei diesem Thema treiben, aber auch noch mehr unterstützen. Wir werden die Unterlagen fürs Ministerium per Mail vorab senden, damit wir zumindest bis Freitagabend doch noch die Unterschrift des Ministers bekommen. Genau das wollte ich eigentlich nicht, aber so schnell werden wir die Mentalität nicht ändern. (Warum heute etwas machen, wenn ich noch nicht weiß, was morgen sein wird). Heute Morgen ging es schon um kurz nach 7:00 Uhr los mit Besuchern. Wir waren noch beim Frühstück, da saß schon die erste Delegation im Hof, um für einen Brunnen vorzusprechen. Wir mussten dieser Gruppe genau wie noch 2 anderen mitteilen, dass wir in den nächsten Jahren keine Brunnen geplant haben und unsere Kraft und unser Geld in das Ausbildungszentrum stecken müssen. Daneben haben wir ja auch noch genug andere Verpflichtungen, die alle bedient werden müssen. (Mädchenwohnheim, Schulen, Patenkinder). Das mit den Besuchen wird bis zum letzten Moment so weitergehen, sei es um eine Bitte vorzutragen oder einen Brief für die Pateneltern in Deutschland mitzugeben. Geschenke wird es auch geben, jedoch habe ich César schon gesagt, dass die Eltern der Patenkinder das Geld lieber in ihre Kinder investieren sollen. Die wenigsten verstehen das, ich möchte aber auch keinen Koffer voll der traditionellen Piéla Gewänder mitnehmen, die in Deutschland niemand anzieht oder nutzt. Es ist zudem sehr einfache Qualität und ich habe von meinen früheren Besuchen genügend zu Hause.
So, das war der Rückblick auf den Montag und den Dienstagmorgen, mit etwas Abstand betrachtet.
Die beiden Schulen haben wir gestern Abend und heute Morgen dann auch noch besucht.
Die Zeit in Piéla geht jetzt schnell vorbei und ich hoffe, dass in Ouaga alles nach meinen Vorstellungen verläuft und ich am Samstag mit klaren Vereinbarungen zurückfliegen kann.

Bis demnächst
Uli

20.01.2019 Die letzte Woche beginnt.

Das Wochenende haben wir tatsächlich recht ruhig verbracht. Den ganzen Samstag haben wir an der Finalisierung der Dokumente für den Hochkommisar und das Ministerium gearbeitet. Das war mit Césars recht bescheidenen Kenntnissen in Word und Excel nicht immer einfach. Aber Übung macht den Meister. Das Ganze hat in der Tat 7 Stunden benötigt, wobei wir kaum unterbrochen wurden. Das einzige Handicap war, dass der Strom schon seit der Nacht weg war und der Laptop dann irgendwann über die Solaranlage laden musste.
Zum Glück funktioniert diese zumindest noch teilweise. Eine große Batterie und ein kleiner Wechselrichter schaffen zumindest diese Aufgabe. Der Strom war in den letzten Tagen immer wieder mal weg. So ist ein Kühlschrank natürlich auch nicht wirklich ein sicherer Aufbewahrungsort für verderbliche Waren. Daher habe ich bei meinem Großeinkauf in Ouaga darauf geachtet, dass ich nur Nahrungsmittel kaufe die es ohne Kühlung aushalten. Ausnahme war die Butter. Ich hätte die auch nicht gekauft, César meinte aber “ es wäre schön“. Somit hatten wir bei der Ankunft hier in Piéla schon fast flüssige Butter, die zwischenzeitlich auch schon das ein oder andere Mal den Zustand von hart gefroren bis zu fast flüssig gewechselt hat. Ich verzichte lieber auf Butter. Damit bin ich bisher gut gefahren.
Sonntag ging es wieder um 8 Uhr mit der ganzen Familie in die Messe. Danach haben wir einen Brunnen begutachtet, der im Auftrag der Gemeinde gebaut wird. Dieser wird nicht gebohrt, sondern mit Hand wurde ein 12 Meter tiefer Brunnen gegraben und Stück für Stück hoch betoniert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese Art viel billiger ist als zu bohren. César sagt mir, dass diese Varianten nur 40 bis 50 % der gebohrten Brunnen koste. Das geht aber nur dann, wenn man sehr genau weiß, dass man in einer relativ „geringen“ Tiefe von 10 – 12 Meter auch Wasser findet.
Unsere Brunnen werden meistens zwischen 35 und 60 Meter tief gebohrt. Dazu ist das keine Alternative. Ich werde mir zu Hause jedoch noch einmal ein Angebot zu einem Wassersuchgerät genauer anschauen, denn diese sind mittlerweile so gut, dass man die Tiefe und Menge des vorhandenen Wassers sehr gut vorhersagen kann. Zumindest besser als mit der Wünschelrute oder den Messmethoden, die bisher angewandt werden. Wenn sich mit einem solchen Gerät nur 3 Stellen zur Handschachtung finden lassen, macht es sich schon bezahlt. Der Rest des Sonntags bestand aus vielen Gesprächen. Angéline war mit Tony wieder nach Kouri zum Arbeiten und meine kleine Wendy litt an einem Malaria Schub. Mit der Zeit lässt sich hier Malaria kaum verhindern. Diese Schübe machen sich mit Kopfschmerzen, Fieber, Schweißausbrüchen und allgemeinem Unwohlsein bemerkbar. Es gibt Medikamente, die diese Symptome bekämpfen, jedoch nach wie vor nichts zur Heilung!
Wusstet ihr, dass Malaria die Krankheit ist, an der die meisten Menschen weltweit sterben?
Jährlich sterben ca. 450.000 Menschen an dieser Krankheit. Es ist beschämend, dass die Pharmaindustrie hier nicht mit viel mehr Aufwand nach Lösungen sucht. Da es sich durchweg um sehr arme Regionen handelt, fehlt anscheinend der finanzielle Anreiz, solche Medikamente in großem Umfang zu erforschen. Immer wieder werden mal unerforschte Medikamente in die Region verstreut, das sind aber Versuche am Menschen und nicht wirklich hilfreich.
Ich nehme Tabletten, welche die Infektion verhindern. Diese kann man aber nur über kürzere Zeiträume nehmen, da sie sonst Nebenwirkungen haben.
Den heutigen Tag muss ich noch mal sacken lassen und werde morgen davon berichten.

Bis dahin eine gute Nacht

Uli