Reisebericht 31.01. – 28.02.1999

Reisebericht 31.01. – 28.02.1999
 

Sonntag 31.01.1999

 

Gegen 17.00 Uhr landeten wir auf dem Flughafen der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou. Den Weg vom Flugzeug zum Flughafengebäude legt man hier zu Fuß quer über das Rollfeld, zurück. Die Passkontrolle wurde sehr gründlich vorgenommen und auch das Visum, sowie der lmpfpaß schienen von großer Bedeutung zu sein.

Endlich kamen wir zum Flughafenausgang, wo wir bereits von Abbe Pierre, Aime, Matthias, Joseph (der Vater meines Patenkinds Rene), Cesard und zwei weiteren Männern erwartet wurden. Die Begrüßung fiel sehr herzlich aus. Dabei folgt man einem bestimmten Ritual: man gibt sich die Hand und berührt sich mit den gegenüberliegenden Schlafen jeweils viermal im Wechsel. Kurz darauf wurde unser Gepäck auf der Ladeflache von Pierres Pick-up verstaut, die Männer setzten sich dazu und wir konnten vorne in die Fahrkabine einsteigen. Wir wurden zu unserer Unterkunft in der Missionsstation ‚Radio Maria‘ gefahren, und konnten dort direkt unsere Zimmer (mit Dusche und Waschbecken) beziehen. Danach sind wir alle zusammen essen gegangen und für die Männer die sonst nur Hirse und Soße kennen war Restaurant und ein ganzes Huhn pro Person echter Luxus. Allerdings ist essen gehen in Afrika ganz anders als in Deutschland. Hier dauert alles viel länger, dass heißt nicht es wird mehr gegessen oder getrunken, sondern es dauert einfach unendlich lange ehe überhaupt mal eine Bedienung kommt und bis das Essen serviert wird vergeht minimal eine Stunde. Unterhalten können wir uns in Französisch (un peu) oder in Deutsch, wenn Cesard übersetzt. Ansonsten geht alles durcheinander (Französisch, Deutsch, Englisch, Hände, Füße). Diejenigen die in die Schule besucht haben sprechen untereinander Französisch, können aber auch alle den Dialekt Gurmantsche der für die Region Piela üblich ist.


Montag 01.02.1999
 

Um 06.00 Uhr trafen wir uns zur Messe. Abbe feierte sie in einer kleinen Kapelle der Missionsstation. Nach dem Frühstück in der Mission (Weißbrot und Tee) holte Abbe uns ab und wir fuhren in die Stadt. Zuerst besuchten wir die deutsche Botschafterin, um ihr mitzuteilen, dass wir uns in Burkina aufhalten und welche Projekte wir für diese Zeit geplant haben. Im Anschluss daran guckten sich Aime und Pierre Hirsemühlen an, von denen zwei als Projekt für die Frauen angeschafft werden sollen. Mit Lebensmitteln deckten wir uns in einem Supermarkt ein, der ein ähnliches Angebot führt wie die Geschäfte in Deutschland. Alle Einkäufe wurden zu den Koffern auf den Pick-up geladen und den restliche Platz auf der Ladefläche teilten sich die Männer. Unsere nächste Station war der Markt von Ouaga. Sobald wir das Auto verlassen hatten und als Weiße in Erscheinung traten umringten uns die Marktfrauen und versuchten uns ihre Waren aufzudrängen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant machten wir uns um 14.00 Uhr endlich auf den Weg nach Piela. Unterwegs mussten an einer Hütte noch zwei weitere Männer und zwei Matratzen auf der Ladefläche bzw. auf dem Dach verstaut werden. Die Fahrt führte zu Anfang über geteerte Strassen (ohne Mittelstreifen) auf denen das Leben typisch afrikanisch zugeht. An allen Ecken wird gehandelt, jeder hat etwas zu verkaufen. Auf der anderen Seite sieht man aber auch sehr deutlich die Armut der Bevölkerung, besonders viele alte Menschen und Kinder betteln und machen einen extrem kranken Eindruck. Die offenen Abwasserkanäle scheinen die rapide Ausbreitung von Krankheiten nur zu unterstützen. Nach circa vier Stunden kamen uns zehnKilometer vor Piela etwa 150 vorwiegend Jugendliche und Kinder entgegen, die uns bereits erwarteten. Mit Gesang, Musik und Tanz wurden wir begrüßt. Endlich in Piela angekommen versammelten sich alle in der Kirche, wo die meisten Erwachsenen bereits auf uns warteten. Werner und ich mussten vor dem Altar Platz nehmen und Pierre stellte uns vor. Die ganze Zeit über wurde getanzt und gesungen, so dass es mir wie ein Freudenfest vorkam. Zur Begrüßung wurde yiim-piema (weißes Wasser) gereicht. Aus Wasser Hirsemehl, Zucker und Ingwer wird ein Getränk gemischt, das in Kalebassen angeboten wird. Als die ‚offizielle‘ Veranstaltung vorbei war, begrüßten wir jeden einzelnen per Handschlag, was bei der Menge Menschen einige Zeit in Anspruch nahm. Danach konnten wir uns dann in unseren Zimmern einrichten, die mit Dusche und Waschbecken mehr Luxus bieten als ich erwartet hatte.

 

Dienstag 02.03.1999

Um 06.00 Uhr hat Abbe die Messe in der Kirche gehalten und dann gab esFrühstück. Die mitgebrachten Lebensmittel wie Schwarzbrot, Tee, Marmeladeetc. erweisen sich als äußerst angenehm, da sie den Speiseplanabwechslungsreich gestalten. Außerdem kann man durch Selbstversorgungunangenehme Krankheiten vermeiden. Heute sind wir zur ersten Tour durch dieGemeinde aufgebrochen. Gut ausgerüstet mit Luftballons und Bonbons, sowiereichlich Lafi ging es los. Als Unterstützung fuhren gleich mehrere Männer auf der Ladeflache mit. Im Pick-up sind wir auf kaum erkennbaren Wegen (es gibt keine Straßen , nur gelegentlich Pisten) durch die Dornsavanne in die verschiedenen Dörfer gefahren. Die Region ist sehr trocken und lediglichDornsträucher, abgeerntet Hirsefelder, Mango- oder Affenbrotbaume (Baobab) prägen das Bild. In den Dörfern werden wir immer sehr herzlich aufgenommenund begrüßt. Grundsätzlich muss man jedem im Dorf die Hand schütteln. Dabei sagen die Einheimischen „Biala Bialbiala“ was soviel wie ‚Herzlich Willkommen‘ heißt. Als Antwort darauf sagen wir ,Lampoo“.

Brunnen haben wir auch schon getestet, dafür hat Werner von einer deutschenChemiefirma bestimmte Pulver bekommen die in sterilen Gläsern mit 100ml des Brunnenwassers aufgefüllt werden müssen. Nach 24 Stunden sieht man anhand der Verfärbung wie der Test ausgefallen ist.


Mittwoch 03.02.1999
 

Heute haben wir am Mädchenwohnheim ‚Torima‘ den Brunnen getestet. DasWohnheim ist in einem guten Zustand und die junge Frau die die Anlage leitetscheint alles im Griff zu haben. Nur die Toiletten und die Duschanlagen können noch nicht benutzt werden, da die nötige Elektrizität fehlt. Daher scheint eine Solaranlage für ‚Torima‘ meiner Meinung nach besonders wichtig zu sein.

Heute wurde uns auch das neue Patenkind Franceline vorgestellt. Sie ist dasjüngste von sechs Kindern in der Familie und der Vater ist vor einiger Zeitgestorben.

 

Donnerstag 04.02.1999
 

Wir sind früh aufgebrochen, da insgesamt 12 Dörfer angefahren werden sollen.Bei dieser Gelegenheit sehen wir auch alle Patenkinder, so dass wir dieGeschenke der Pateneltern abgeben können. Gleichzeitig können wir auf dieserTour auch noch einige Brunnen testen. Besonders in Dipienga, einem dergrößeren Dörfer war der Empfang sehr überwältigend. Als Gastgeschenkerhielten wir vier Perlhühner. Um 14.00 erreichten wir endlich Madiabari. Indiesem Dorf wohnt mein Patenkind Rene. Diese erste Begegnung mit ihm warsehr schön, zumal er keinerlei Scheu vor uns ‚Weißen‘ hatte. Er macht einengesunden und aufgeweckten Eindruck. Ich habe ihm die Geschenke gegeben undich glaube er hat sich in unserer Gesellschaft sehr wohl gefühlt. In der nächsten Woche wird er uns für

einige Tage in Piela besuchen und dann werden wir uns noch näher kennen lernen können.
Freitag 05.02.1999
 

Im Garten der Missionsstation haben wir ein kleines Beet angelegt mit Zwiebeln und Radieschen. Ich bin mal gespannt ob etwas wächst. Heute haben wir auch die Solaranlage repariert und am Mädchenwohnheim die Flaggen von Burkina und Deutschland gehisst.

 

Samstag 06.02.1999

Als erstes Stand ein Anstandsbesuch beim Präfekten an. Dieser Mann hat eineähnliche Position wie unser Stadtdirektor. Wir haben ihm unser Anliegenbezüglich des Müllproblems vorgetragen, aber er zeigte an diesem Problem kein besonderes Interesse. Danach folgte ein Besuch beim Chef, das ist der Dorfälteste der einem Bürgermeister gleichkommt. Um 11.00 trafen wir uns mit den Mädchen des Wohnheims, um uns über ihre Situation und neue notwendige Projekte zu informieren. Besonders ein Mofa scheint für die Madchen wichtig zu sein. Immer wenn eines der Mädchen krank ist muss es mit dem Fahrrad in die entfernte Krankenstation gebracht werden. Mit einem Mofa wäre dies sehr viel einfacher. Auch einen Volleyballplatz könnten die Madchen sehr gut gebrauchen. Sie würden den Platz selbst herrichten, nur für das Netz und den Ball haben sie kein Geld. Vielleicht findet man ja in Deutschland einige Sponsoren.


Sonntag 07.02.1999

Heute begann der Tag mit der großen Sonntagsmesse. Wir haben Abbe Pierredas neue Gewand überreicht und er hat sich sehr gefreut. Die Stimmungwährend der Messe ist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Hier erscheint mir der Gottesdienst wie ein wirkliches Fest. Die Lieder sind fröhlich, es wird getrommelt und getanzt (auch um den Altar herum). Nach der Messe versammelten sich die Vorstandsmitglieder der Cuo Fi und in einer langen Besprechung wurden alle anstehenden Projekte genau diskutiert und die nötigen Aktivitäten in die Wege geleitet.

 

Montag 08.02.1999

Heute ist mein Geburtstag! Schon zum Frühstück gab es Blumen und Geschenke.Danach haben wir begonnen die Bilder an der Mauer der Missionsstation zu’restaurieren‘. Am Rückhaltebecken werden bereits Steine von den Bauern desOrtes angeliefert, damit wir bald mit den Diguettes anfangen können. Um 16.00 kamen die ersten Jugendlichen, um sich für ihre Aufführung anlässlich meines Geburtstages einzustimmen. Zuerst haben die Jungen angefangen zu trommeln und zu tanzen. Dann wurden für uns Stühle herangeholt und die Mädchen kamen dazu. Dann ging es richtig los. Tanz, Musik, Gesang und Trommeln. Für die Jugend gab es nachher Dolo und für mich und meine Geburtstagsgäste gab es Fritten und Hähnchen. So einen afrikanischen Geburtstag konnte man jedes Jahr haben.

 

Dienstag 09.02.1999
 

Heute haben wir die Steinpresse in Betrieb genommen. Erde und Zement werden 1:20 gemischt und dann angefeuchtet. Mit dieser stabilen Maschine kann man herrliche Steine pressen. Kein Vergleich zu den herkömmlichen Ziegeln, die die Burkinabe hier herstellen. Inzwischen sind auch schon einige Jugendliche angereist. Morgen geht ihre große Jahreshauptversammlung dann richtig los.

 

Mittwoch 10.02.1999

Die Drahtmaschine funktioniert nicht hundertprozentig. Aber die Steinpresse ist voll einsatzfähig. Mit Abbe Pierre haben wir einen genauen Ablaufplan bezüglich der verschiedenen Aktivitäten mit den Jugendlichen gemacht.


Donnerstag 11.02.1999
 

Um 09.00 haben wir allen Jungen die Steinpresse und die Drahtmaschinepräsentiert. Anschließend fand eine Fragestunde statt, in der die Jugendlichen Informationen über Deutschland erhalten konnten. Mit den gepressten Steinen haben wir am Nachmittag eine kleine Mauer mit Rundbogen gemauert, um dieverschiedenen Möglichkeiten mit den neuen Steinen zu demonstrieren.


Freitag 12.02.1999
 

Jeweils 12 Jungen wurden von uns an der Drahtmaschine und an derSteinpresse ausgebildet, damit sie ihr Wissen dann in den Dorfern weitergebenkönnen. Nachmittags haben wir zusammen mit allen Jugendlichen (ca. 400) aufdem Gelände des Mädchenwohnheims Diguettes angelegt. Dazu mussten dieangelieferten Steine von Hand zum Regenrückhaltebecken getragen und dorthalbmondförmig ausgelegt werden. Alle haben sehr eifrig geholfen und dasErgebnis der Arbeit konnte sich sehen lassen.

 

 Samstag 13.03.1999

Um 08.00 begann die Hochzeitsmesse für zwei Brautpaare, die Pierre zusammen mit Abbe Sebastian und einem jungen Priester aus Fada feierte. Da insgesamt so viele Personen da waren und die Zeremonie vor der eigentlichen Messe viel Platz in Anspruch nimmt, fand alles draußen vor der Kirche statt. Nachmittags hatten die Jugendlichen für uns eine Parade vorbereitet. Die Gruppen aus den fünf verschiedenen Sektoren trugen jeweils die gleichen T-Shirts und sangen und tanzten für uns. Als Geschenke gab es für Werner einen Hut und für mich einen Rock. Anschließend gingen wir alle gemeinsam zu dem Hof der Hochzeitspaare wo die Folkloregruppe noch einmal tanzte.

 

Sonntag 14.04.1999
 

Die Sonntagsmesse wurde heute von den Jugendlichen mit Gesang, Tanz, Musikund Fürbitten gestaltet. Seit gestern ist Rene mit seinen Eltern hier und ich bin sehr froh ein paar Tage mit ihm verbringen zu können.


Montag 15.02.1999
 

Heute haben wir den Brunnen der ADDSP in Piela getestet. Von Renes Eltern bekam ich einen Rock geschenkt, das war mir unangenehm, da sie ja selbst nicht so viel Geld haben, und dann geben sie es auch noch für mich aus. Aber es wäre sehr unhöflich gewesen das Geschenk abzulehnen. Den Nachmittag verbrachten wir damit die Diguettes am Rückhaltebecken zu bearbeiten. Gegen Abend waren bereits die meisten Katecheten eingetroffen und wir konnten in einer Versammlung unsere Geschenke an sie austeilen. Dabei wurde noch einmal betont, wie wichtig ihre Arbeit für die Partnerschaft ist.

  

Dienstag 16.02.1999
 

Zusammen haben wir den Katecheten die Steinpresse und die Drahtmaschine vorgeführt. Anschließend wurde ‚Torima‘ besichtigt, damit auch den Katecheten ,als Mitglieder der Cuo Fi, deutlich wird welche Arbeiten der Verein leistet und in wieweit er Hilfe gewährt.

Matthias der Schneider hat für Rene und seine Mutter aus dem Stoff den wir geschenkt haben sehr schöne Kleider genäht. Solche Geschenke scheinen mir besonders geeignet zu sein, da sie auch vor Ort noch eine Unterstützung der Menschen sein können.

Mittwoch 17.02.1999
 

Gemeinsam mit allen Katecheten haben wir heute Morgen die Aschermittwoch-­Messe gefeiert. Danach mussten sich die Katecheten wieder auf den Heimweg machen. Für Rene und seine Eltern bedeutet das 60 km auf dem Fahrrad querfeldein bis Madiabari zu fahren.

Abbe Sebastian hat uns heute nach Dabesma gefahren. In diesem Dorf, in derNähe eines Staubeckens, wohnt Cesard der Grundschullehrer. Seine Frau hat in dieser fruchtbareren Gegend ein kleines Gärtchen in dem sie Zwiebeln anbaut.Auch Mangos, Zitronen und Bananen wachsen hier. Dieses Dorf kam mir wie eine Oase vor, da alles ungewöhnlich grün ist.

 

Donnerstag 18.02.1999
 

Der Damm des Regenrückhaltebeckens ist an einigen Stellen durch dasRegenwasser ausgewaschen, so dass tiefe Rinnen entstanden sind. Wir haben heute damit begonnen sie mit Steinen aufzufüllen und so das Regenwasser zu leiten.

Abbe Pierre fuhr mit uns zu einer Familie deren Hof mitten in Piela liegt. Vor zwei Tagen ist in der Nacht ein Feuer ausgebrochen, das ihre Hütten und ihre Hirse ­und Erdnussernte zerstört hat. Den Menschen ist zum Glück nichts passiert. Als Soforthilfe konnte Werner ihnen 100.000 FCFA geben.

 

Freitag 19.02.1999
 

Die Enkelin von Mama Josephine ist krank. Sie hat Fieber, die Augen sind völlig verklebt und sie hat komische Pocken. Außerdem hat sie an der Schulter eine große Stelle an der die Haut aufgeplatzt ist. Wir versuchen sie mit Antibiotika und Augentropfen zu behandeln. Falls es aber nicht besser werden sollte muss sie in die Krankenstation.


Samstag 20.02.1999
 

Um 15.00 fand ein Treffen mit der Frauengruppe aus Piela statt. Insgesamt sind in dieser Frauengemeinschaft 700 Frauen organisiert, die von einer Präsidentin vertreten werden. Für sie ist das Projekt ‚Hirsemühle‘ und’Erdnussschälmaschine‘. Möglichst bald soll auch noch eine Erdnussölpresse angeschafft werden. Für die Arbeit der Frauen konnte eine Summe von 200.000 FCFA gewährt werden.
Sonntag 21.02.1999
 

Nach der Messe trafen wir uns wieder mit Cuo Fi. Alle anstehenden und bereitsrealisierten Projekte wurden nochmals durchgesprochen und die entsprechenden Anträge lagen teilweise schon vor. Im Anschluss daran sind wir mit den Cuo Fi­ Mitgliedern nach Torima gegangen, um unsere Diguettes zu zeigen. Gleichzeitig konnten wir erklären wie diese kleinen Gärten während der Regenzeit zu bepflanzen sind.

Für den Abend stand ein Besuch beim Präfekt an. Es handelte sich um einen Neujahrsempfang zu dem sämtliche ‚Prominenz‘ des Ortes eingeladen war (Lehrer, Polizist etc.), da durften wir als Besuch aus Deutschland natürlich nicht fehlen. Bei dieser Gelegenheit versuchten wir dem Präfekten das Müllproblem näher zu bringen, aber sein Interesse schien relativ gering. Allerdings konnte er sich darauf einlassen, am nächsten Morgen zur Mission zu kommen um sich den bereits gesammelten Müll anzusehen.

 

Montag 22.02.1999
 

Gegen 11.00 kam der Präfekt um sich vor Ort den gesammelten Plastikmüllanzusehen. Wir zeigten ihm, dass bereits das ganze Missionsgelände gesäubert ist und auch das Rückhaltebecken und das Mädchenwohnheim konnte erbegutachten.

Den Nachmittag verbrachten wir in Bogande, wo wir uns mit dem DeutschlehrerAntoine trafen und gemeinsam zur Meteorologischen Station fuhren. Dochinformierten wir uns über die Windverhältnisse in Piela, um herauszufinden ob sich ein Windkraftrad in dieser Gegend lohnen würde. Leider gibt es aber nurwährend der Regenzeit ausreichend Wind, so dass die Installation einesWindrades nicht sinnvoll wäre.
 

Dienstag 23.02.1999
 

Heute standen verschiedene Besuche auf dem Programm. Zuerst fuhren wir nach Fada um Theophane zu treffen. Er ist für die Bohrung der Brunnen zuständig. Da der Verein mit dieser Arbeit sehr zufrieden ist konnten direkt vier weitere Brunnenprojekte abgesprochen werden. Im Anschluss daran besuchten wir den Markt in Fada und fuhren schließlich zum Bischof. Werner erläuterte ihm eingehend, dass es für die Gemeinde Piela und für die Partnerschaft sehr schade wäre, wenn Abbe Pierre wirklich in eine andere Gemeinde versetzt würde, so wie der Bischof es bereits angedeutet hat. Ob dieses Vorsprechen erfolgreich war muss sich in nächster Zeit herausstellen.


Mittwoch 24.02.1999
 

Seit dieser Nacht habe ich Fieber und heute Morgen kam auch noch Durchfall dazu. Den ganzen Tag habe ich im Bett verbracht und es war sehr langweilig.


Donnerstag 25.02.1999
 

Auch heute bin ich immer noch krank. Ich fühle mich sehr schlapp, so dass ich es gerade mal bis zur Toilette schaffe. Für heute war eigentlich ein Fahrt nach Tofu, Bang und Maxi angesagt. Da der Weg dorthin sehr weit ist, wollten wir über Nacht bleiben und morgen zurückkommen. Leider muss diese Tour aufgrundmeiner Krankheit ausfallen. Aber Werner konnte trotzdem nach Tofu fahren unddie Menschen dort besuchen.

  

Freitag 26.02.1999

Der letzte Tag in Piela und ich bin noch nicht gesund. Schwester Erika von der Krankenstation hat mich besucht und untersucht und anhand einer Stuhlprobe konnte festgestellt werden, dass ich Amöben-Ruhr habe. Zum Glück gibt esdagegen auch in Piela ein Medikament. Das Kofferpacken war für mich doch ganz schön anstrengend- so ganz fit bin ich noch nicht. Den letzten Abend verbringe ich im Bett.

 

Samstag 27. 02.1999

Bereits um 05.00 haben wir uns auf den Weg nach Ouaga gemacht. Nur so ist es möglich der Hitze einigermaßen aus dem Weg zu gehen. Mir geht es inzwischen wieder viel besser, aber ich bin noch schlapp. Nach ca. vier Stunden haben wir die Hauptstadt erreicht und wir wohnen wieder bei ‚Radio Maria‘. Nachdem ich mich für ein paar Stunden hingelegt habe sind wir auf den Markt gefahren. Eigentlich handelt es sich eher um Markthallen in denen sämtliche Waren angeboten werden. Wir haben uns reichlich mit Ketten, Batiken und anderen Souvenirs eingedeckt.


Sonntag 28.02.1999

Der allerletzte Tag in Burkina Faso. Die Sonntagsmesse wurde in der großen Kirche nahe der Missionsstation gefeiert. Danach ging zur Fespako (afrikanische Filmfestspiele). Neben den eigentlichen Filmvorführungen gibt es noch einen großen afrikanischen Markt mit den verschiedensten Angeboten. Menschen ausganz Afrika und Asien, sowie Europa sind zu dieser Zeit in Ouaga anzutreffen.Besonders, die Tuareg sehen sehr beeindruckend aus, da sie besonders groß sind und außergewöhnliche Kleidung tragen.

Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen brachte uns Abbe Pierre zumFlughafen. Der Abschied fiel mir wirklich schwer, da ich mich sehr wohl gefühlt habe. Gegen 24.00 starte dann unser Flugzeug mit einer Stunde Verspätung.