Reisebericht 28.01. – 25.02.2001 von Dagmar Ohlert

Sonntag, 28.01.01 

Heute haben Werner, Yvonne, Jürgen und ich unsere Reise nach Piela angetreten. Um 5.00 Uhr sind wir in Hilterscheid gestartet und waren um 8.00 Uhr in Brüssel am Flughafen. Dort mußten wir leider etwas Geduld haben, bis es weiterging, denn unsere Maschine hatte zwei Stunden Verspätung.

19.00 Uhr: Endlich, wir sind in Ouagadougou gelandet!

Afrika da bin ich bzw. wir !!

Nachdem wir durch die Passkontrolle waren, wurden wir von einigen Mitgliedern der Cou­Fi ganz,ganz herzlich begrüßt und dann in unsere Quartiere gebracht. Im Anschluss waren wir noch alle zusammen essen, aber um 22.00 Uhr afrikanische Zeit lagen wir endlich total erschöpft in den Federn. Es war ein sehr aufregender Tag und es war super ergreifend, wie sehr sich die Leute über unsere Ankunft gefreut haben!! 

Montag, 29.02.01. 

Meine Uhr ist stehengeblieben, egal, ich bin aufgestanden und habe erst einmal eiskalt geduscht. Der Geräuschpegel draußen ist der Hammer; geweckt wurde ich von sich aufpumenden Eseln, Menschengemurmel, krächzenden Hähnen und knatternden Mopeds.Ich habe draußen gestanden und einfach nur den Menschen zugeguckt, die die Straße entlang gingen : zur Schule, Frauen mit riesigen Schüsseln, Töpfen und Krügen auf dem Kopf und unzählbar viele Mopeds. Gleich werden wir zur Messe gehen, danach zur Deutschen Botschaft fahren, einkaufen und zur Bank gehen um Geld umzutauschen und dann endlich unseren vierstündigen Autotrip nach Piela antreten. Wir sind in Piela !! Vier Stunden haben wir gebraucht , um von Ouaga nach Piela zu fahren. Die Eindrücke, die während der Fahrt auf mich eingeströmt sind, haben mich irgendwie voll umgehauen. That,s Afrika; aber wenn man es noch nie gesehen hat, kann man es kaum glauben: absolute Armut, Lehmhütten, Feuerstellen, Frauen die mit Krügen, Kanistern und Eimern auf dem Kopf zur Wasserstelle gehen; Kinder die sich manchmal freuen, machmal aber auch erschrecken, weil sie weiße Menschen und ein Auto sehen. Aber dann, unsere Ankunft! Es war schon dunkel, aber dann wurden wir begrüßt, aber wie!!Es ist wirklich fast nicht zu beschreiben.Als wir mit dem Auto in Piela einfuhren, standen wir plötzlich vor einer riesigen, tanzenden, trommelnden und singenden bzw. kreischenden Menschenmenge. Ich hatte erst gar nicht den Mut, auszusteigen.Als ich draußen war, mußte ich mich erst einige Zeit am Außenspiegel des Jeeps festhalten, das alles erst einmal wahrzunehmen und zu verarbeiten. Es ist der Wahnsinn; mir war nicht klar, daß sich die Menschen hier so über unser Kommen freuen und uns so feiern würden; mir war auch nicht klar, daß man in zehn Minuten ca. 300 Hände schütteln kann!! Es war absolut unbeschreiblich; der Wahnsinn !! 

Dienstag, 30.01.01 

Heute haben wird den Dorfältesten getroffen und sind von ihm herzlichst in Piela begrüßt worden und er hat uns viel Erfolg bei unseren Arbeiten gewünscht und sich bei uns bedankt, daß wir für und mit Piela arbeiten.Danach hatten wir noch ein kurzes Treffen mit dem Präfecten, dem Bürgermeister von Piela, der uns auch herzlichst begrüßte!Danach haben wir die Plastikmaschine und die Formen für die Digettsteine zusammengebaut und an ihren Platz gebracht, damit wir morgen richtig loslegen können. Es war ganz schön warm heute, über 50 Grad C, aber wir werden uns schon daran gewöhnen! Abends hatten wir noch eine heftige und lange Diskussionsrunde mit den zwölf Mitgliedern der Cuo-Fi. 

Mittwoch, 31.01.01

Es ging lange gestern abend, es gab viel zu bereden und viel zu diskutieren. Danach haben wir noch einige Zeit zusammengesessen und gefeiert.Nachdem wir dann also heute morgen etwas länger geschlafen haben, stellen wir aus einem Zement-, Sand -u. Plastikgemisch die ersten Steine her. Kinder und Erwachsene kamen sofort neugierig hinzu.Yvonne und Jürgen haben heute angefangen, am Hirsespeicher zu mauern; es ging superschnell, da ein ganz toller Maurer, namens Pierre, im Auftrag von der Partnergruppe, das Kommando auf der Baustelle übernommen hat und seine Jungs toll mit anfassen !! 

Donnerstag, 01.02.01

Haben heute wieder Steine gemacht. Die erste Ladung von gestern ist wirklich Klasse geworden; wir sind stolz wie Oskar!!Der Maurer des Hirsespeichers ist echt Spitze und würde von Jürgen am liebsten nach Bad Münstereifel importiert. Am Nachmittag haben wir uns mit den Eltern bzw. Großeltern von meinem Patenkind Maurice getroffen. Unsere Verdauungsprobleme haben wir jetzt alle vier wieder im Griff und nun wird von Jürgen das Müllproblem rund um die Missionsstation in Angriff genommen. Mit den Kindern wird der Plastik eingesammelt, den wir in die Digettsteine einarbeiten.

Freitag, 02.02.01

Heute haben wir drei Dörfer der Gemeinde Piela besucht, unter anderem Toubou, wo wir einen großen Empfang bekommen haben. Die Männer und Frauen haben für uns getanzt, getrommelt und gesungen und uns danach ihre Sorgen vorgetragen. Werner und Jürgen haben jeweils ein „Trägerumhänger“ bekommen, worin Werner original wie „Heidi“ aussah! Yvonne und ich haben jeweils einen wunderschönen Wickelrock bekommen. Trotz dieser wunderschönen Geschenke, zu denen auch noch sieben Hühner kamen, muß  man leider sagen, daß die Menschen in sehr großer Armut leben, worunter die Kinder natürlich besonders leiden.

Samstag, 03.02.01

Haben heute wieder Steine produziert; es klappt hervorragend. Werner und mir werden Schaufeln und andere Arbeitsmaterialien förmlich aus der Hand gerissen, da alle mithelfen wollen und sehen wollen, was wir machen, wie es funktioniert und einfach nur mitmachen wollen. Es ist toll, wenn man miterleben und mit ansehen kann, wie toll die Arbeit angenommen wird. Am Nachmittag fand in Dabesma ein großes Treffen mit dem deutschen Botschafter statt, zu dem auch wir mit den Mitgliedern der Cuo-Fi eingeladen waren.

Sonntag, 04.02.01

Heute morgen fand noch einmal eine offizielle Messe zu unserer Begrüßung statt. Am Ende der Messe hat Werner der Gemeinde ein großes Ikonenkreuz übergeben. Abbe Leon hat das neue Gewand überreicht bekommen und Abbe Jean-Pierre die Stola. Nach der Messe haben wir uns mit allen Eltern der Patenkinder getroffen und ihnen Geld für Hirse von den Pateneltern und die Briefe aus Deutschland überreicht. Auch ich wurde heute beschenkt von meinem Patenkind und seinem Opa habe ich zwei Hühner überreicht bekommen. Ich war begeistert und habe mich natürlich gefreut (wenn ich die Hühner nur nicht hätte anfassen müssen) . 

Montag, 05.02.01 

Heute haben wir wieder an den Digettsteinen gearbeitet. Zur Anschauung haben Werner und ich etwas Hirse in ein Gemisch aus unserem Wundermittel „Watersafe“ und Erde gesät und warten nun auf den Erfolg: Die Menschen hier sind total überwältigt von „Watersafe“, da es das Wasser unheimlich bindet, Werner wird schon als Zauberer bezeichnet. Am Abend war ich mit Abbae Leon auf Agathes Namenstag; es war schön, mal zu sehen, wie die ganze Familie so zusammenarbeitet und ein bischen feiert– und Dagmar mitten drinn !! 

Dienstag, 06.02.01

Wieder gearbeitet!! Heute war es wirklich fast unerträglich heiß, wir schätzen mal ca. 60 Grad C. Jürgen und Yvonne haben ihre Rückreisetickets für Sonntag, den 11.02.01 geordert. Ab dann sind Werner und ich alleine; wir werden das Kind schon schaukeln! Heute abend findet wieder ein Treffen mit der Cuo-Fi statt; es wird also sicher wieder spät, da es immer viel zu besprechen und auszudiskutieren gibt. 

Mittwoch, 07.02.01 

Wir haben jetzt genau 9.35 Uhr und wir warten seit genau einer Stunde und 35 Minuten auf Aime, der mit uns eigentlich um 8.00 Uhr losdüsen wollte, um die Dörfer Dabilgou und Tugdaadou zu besuchen. Aber hier in Afrika laufen die Uhren halt manchmal anders. Wenn er nicht bald kommt, kriegen wir die Krise! Heute nachmittag fahren wir zu Florence, dem Patenkind von Jürgen, damit er sie vor seiner Abreise noch zusehen bekommt. Die Frage ist nur, ob Aime bis dahin endlich hier sein wird! Um 12.00 Uhr ist er endlich gekommen!! Wir sind dann die Brunnen in den Dörfern abgefahren, wobei wir sehr froh waren, da die Brunnen sehr!! gepflegt sind. Danach sind Werner und ich spazieren gegangen; als wir losgingen, hatten wir ca. zehn Kinder im Schlepptau, als wir wieder in der Missionsstation ankamen, waren es ca. 80 Kinder!! Die Kinder wie auch die Erwachsenen hier sind echt der absolute Hammer Sie sind alle so aufgeschlossen, freundlich und nett, das ist einfach wunderschön!! 

Donnerstag, 08.02.01 

Heute waren wir in Kankassi, wo wir ein Patenkind besucht haben. Danach haben Werner und ich einen Geburtstagskuchen für Yvonne gezaubert aus Brödli und Pudding: Not macht erfinderisch! Am Nachmittag kamen dann die Frauen und haben für das Geburtstagskind getanzt, getrommelt und gesungen; das ganze ging bis ca. 18.00 Uhr. Absolute Party; das muss man einfach erlebt haben. Danach haben wir alle zusammen gegessen und getrunken und noch lange zusammengesessen.

Freitag, 09.02.01 

Werner und ich waren heute morgen um 6.00 Uhr in der Messe. Danach haben wir wieder Digettsteine produziert; wir sind schon richtig gut und vor allem schnell, aber wir haben auch wirklich tolle Hilfe. Am Abend fand ein Treffen mit den Jungendlichen statt. Danach waren wir bei den Schwestern , die in Piela stationiert sind, zum essen eingeladen. Im Anschluss daran hat der Choral für uns gesungen, was sehr sehr schön war. 

Samstag, 10.02.01

 Heute morgen sind Yvonne und Jürgen mit Cäsar und Aime nach Ouaga gefahren. Jetzt werden wir die uns gestellten Aufgaben neu einteilen. Die ersten der fertigen Digettsteine haben wir heute nach Torima gebracht, wo sie getestet werden. 

Sonntag, 13.02.01 

Heute waren wir in Fada bei Abbe Pierre! Zuerst waren wir beim Chef für die Brunnenbohrungen und haben mit ihm einige Projekte besprochen. Danach waren wir alle zusammen essen, John-Gabriäl, Pascal, Jäan-Francoisä, Värnoniquä, Cäsar, Aime, Abbe Pierre, Werner und ich. Danach haben wir Cäsars kleine Tochter Carinä besucht, die bei ihrer Oma in Fada lebt. Desweiteren besuchten wird den Augenoptiker von Ocadäs, der dringend unsere Hilfe in Form von alten Brillen benötigt; Gestelle, Gläser usw. , die er dann zurechtschleifen und den Leuten anpassen kann. Zum Schluß haben wir dann noch eine kleine Hirsemehlfabrik besucht, die spezielle Säuglingsnahrung herstellt. Danach haben wir uns auf den 120 km langen Rückweg nach Piela gemacht. Auf dem Rückweg mußten wir dann noch einen liegengebliebenen Kleinbus abschleppen, aber kein Problem!! Heute abend haben wir es endlich geschafft, den wunderschönen Sternenhimmel zu fotografieren!! Wunderschön!!  

Montag, 14.02.01 

Wir wollten heute einen ganz ruhigen Tag machen, da wir morgen eine sehr große Tour vor uns haben ! Also haben wir um 7.00 Uhr gefrühstückt und sind dann mit Agathchen nach Piela gegangen, um Stoff zu kaufen, aus denen Schneider Mathias Hemden nähen soll. Als wir zurückkamen, haben Agathchen und ich erst einmal gewaschen, gewaschen und gewaschen; da es hier keine Waschmaschine gibt, dauert alles ein bisschen länger. Danach sind wir nochmal zum Markt nach Piela gegangen um nochmal Stoff zu kaufen; der arme Mathias !! Er sitzt wegen uns glaube ich Tag und Nacht an der Nähmaschine. Aber er macht es gerne und sehr, sehr gut. Als wir zurückkamen, konnten wir auch gleich wieder gehen, da Werner ein Loch in der Hose hatte, welches sofort genäht werden mußte. Um 17.00 Uhr hatten wir ein Treffen mit den Frauen aus Piela, die uns im Gedenken an Marianne Zimmermann für deren Mann Oskar einen tollen afrikanischen Hut und eine leckere afrikanische Spezialität aus Erdnüssen überreicht haben. Dann sind wir beschenkt worden von Cesar und Pascal, der leider morgen Piela verlassen wird. Zuerst ein Geschenk von allen Pateneltern zusammen: Werner eine schöne Ledermappe und ich eine Handtasche. Von Pascal habe ich dann ein paar Schlappen geschenkt bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe, da dieses Geschenk mit keinem Geldwert zu vergleichen ist!! Am Abend haben wir dann mit Pascal und seiner Familie ein wenig Abschied gefeiert.

Dienstag, 15.02.01 

Wir sind heute um 6.00 Uhr losgefahren um unsere Riesentour durch die Gemeinde zu starten. Wir waren in Sabbria, Bassieri, Boungou, Dipienga, Diapadigou, Bandikidini, Bonsiega, Kogdou und Gori. Es war sehr anstrengend, sehr warm aber trotzdem sehr schön und interessant. In vielen Dörfern sind wir mit Trommeln usw. empfangen worden; es war echt toll!! Die Leute haben uns ihre Sorgen vorgetragen, wobei die größte Not wirklich das zu wenig vorkommende Wasser ist. Manche Leute müssen aus ihren Dörfern 15 km und mehr laufen, um an einen Brunnen zu kommen, an dem sie dann oft noch stundenlang anstehen müssen, um endlich Wasser zu bekommen. Das ist wirklich schlimm und ich denke, dies ist eines der dringenden Projekte, die in Angriff genommen werden müssen. Um 22.00 Uhr waren wir endlich in Piela; wir waren echt fix und fertig. Während der Tour haben wir viele Hühner und eine Ziege geschenkt bekommen, die uns auf dem Jeep begleitet haben. Um im dunkeln überhaupt aus dem „Busch“ wieder hinaus zu finden, mußte jemand mit dem Fahrrad vorfahren und uns den Weg zur „Straße“ (wenn man das so nennen kann) weisen! Also, das war wirklich sehr spannend und wir hatten schon mit einer Nacht im Freien gerechnet. Aber wir haben es geschafft. Er kannte sich wirklich aus. Alles in allem ein toller, spannender Tag !!

Mittwoch, 16.02.01 

Heute konnten Werner und ich endlich mal Auto fahren. Wir haben den Jeep von Aime geliehen, um die redlichen Digettsteine nach Torima zu fahren Aber nur Steine auf der Ladefläche zu haben, das wäre uns natürlich zu langweilig gewesen; also haben wir unsere Kidis auch noch hintendrauf gepackt. Die hatten Spaß wie jeck !! Die größeren haben uns dann in Torima geholfen, die Digettsteine zu legen. Am Nachmittag sind wir nach Bogande zum Hauptkommissar gefahren. Der war sehr interessisert an der Partnerschaft und wollte viel über unsere derzeitigen und auch anstehenden Projekte wissen. Besonders das von uns angesprochene Müllproblem interessierte ihn sehr und er wird dafür sorgen, daß in Piela Tonnen aufgestellt werden, zumindest an den öffentlichen Gebäuden und vereinzelt auf dem Markt, wo Müll gesammelt werden kann. Dieser soll dann mit Eselskarren zu einem Grundstück gebracht werden, das er uns als „Müllabladedeponie“ zur Verfügung dellen möchte. Darüber waren wir natürlich sehr froh und haben es gerne angenommen. Das Grundstück wird von der Cuo-Fi mit selbst hergestelltem Maschendraht eingezäunt, damit der Plastik nicht umherliegt!

Donnerstag, 17.02.01 

Heute war wieder eine große Tour angesagt! Zuerst waren wir bei der Taufe von Augudine, der Schwester von Rene (Yvonnes Patenkind). Dort haben wir uns einige Zeit aufgehalten, da wir noch essen und trinken und vom ganzen Dorf begrüßt werden mußten. Es ist wirklich hart zu sehen, daß eine Schlage von ca. 100 Menschen darauf wartet, am Brunnen Wasser zu pumpen. Es ist unvorstellbar! Es ist allerdings auch unvorstellbar, daß man einige Kilometer weiter in Ogniagouderi von ca. 1500 Menschen so freundlich empfangen wird, daß es einem echt die Sprache verschlägt. Man kann es, denke ich, niemandem so nahe bringen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Aber ich sage Euch: es war der absolute Hammer !!! Die Menschen brauchen dringend einen Trinkwasserbrunnen und möchten die Steinpresse zum Bau einer Krankenstation geliehen haben. Fenster, Türen und Dach erbitten sie als Projekt von uns. 

Freitag, 18.02.01 

Man kann es kaum glauben, aber heute haben wir schon unsere Abschiedsmesse gefeiert, obwohl wir jetzt noch vier Tage in Piela bleiben. Trotzdem, es war ein komisches und ein sehr trauriges Gefühl. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei !! Man kann es sich nicht vorstellen, wie man in so kurzer Zeit so mit den Menschen verbunden sein kann. Als wir heute nachmittag in die Dörfer gefahren sind, habe ich gemerkt, wie ich versuche, soviel wie möglich von diesem Land in mir aufzunehmen, um niemals die wunderschönen Bilder und Eindrücke zu vergessen. Am Abend hat Werner für Cesar, Angeline, Abbe Leon, Abbe Jean-Pierre und mich ein besonderes Menue gekocht. 

Samstag, 19.02.01 

Heute haben wir noch einmal Steine gemacht, um sie dann nach Torima zu bringen, wo unser Rondell fast fertig ist. Am Nachmittag haben wir wieder einige unserer Brunnen besichtigt; alle in gepflegtem Zustand. In einem Dorf haben die Menschen sich mit tollen Masken verkleidet und für uns getanzt. Das war wirklich toll!! Jeden Abend waren viele, viele Kinder da, die sich von uns ihre kleinen aber machmal doch sehr tiefen und vereiterten Wunden behandeln ließen. Es wurden jeden Tag mehr. Ich glaube, sie werden unsere medizinische Versorgung ganz schön vermissen, denn zum Arzt können sie nicht gehen, da das viel zu teuer ist. Von einigen haben wir schon kleine Dankesbriefe bekommen; das war wirklich lieb und kam von Herzen.  

Sonntag, 20.02.01 

Heute sind wir um 7.00 Uhr nach Dori gestartet, von Piela ca. 160 km Richtung Wüste. Das merkte man gut, denn es wurde Mega-Heiss: Ca. 30 km vor Dori liegt Bani, wo eine tolle Moschee steht, die über 20 Jahre hinweg ohne Bauplan aus Lehm gebaut wurde; es war Super-Klasse !! Als wir in Dori ankamen, war ich schon total verbrannt. Dann haben wir Abbe Michel getroffen, den Werner gut kennt. Er hat vom Bischof den Auftrag bekommen, in Sebba eine Missionsstation aufzubauen. Zum Dank für den Besuch mußten wir mit Ihm essen und noch ein wenig klönen. Auf dem Rückweg, ca 100 km vor Piela , hatten wir eine Autopanne: Loch im Kühler !! Aber für Afrika kein Problem !! Erst mal Wagen abkühlen lassen und warten. Abkühlen geht bei 45 Grad C im Schatten natürlich nicht so schnell: also warten, warten, warten!! Aber dann !! Auf einem Markt, einige Kilometer weiter wurde gemahlener Tabak gekauft und mit Wasser in den Kühler gegeben, wobei der Tabak das Loch verklebte. Man glaubt es kaum: es hat funktioniert!! Die Kiste lief wieder; so einfach geht das. Wir sind ohne Probleme nach Piela gekommen und auch den Rest unserer Zeit in Piela hat der Kühler sich nicht mehr gemeldet.

Montag, 21.02.01

Heute morgen waren wir in der Schule von Cesar, der Sekretär der Cuo Fi und unser Übersetzer. Er ist Lehrer an einer Grundschule mit sechs Klassen, wobei ca. 70 – 100 Kinder in einer Klasse sind, danach waren wir in Torima, wo wir unser Test – Rondell mit den gefertigten Digettsteinen fertiggestellt haben. Weiterhin haben wir ein besonderes Beet mit „Water Safe“ präpariert und Möhren sowie Zwiebeln eingesät. Nach unserer Rückkehr zur Mission, saßen unsere kleine Patienten schon in Startposition für die Behandlung, neue Verbände wurden angelegt Wunden gesäubert und alle Kinder mit Vitamine versorgt. Aime und Cesar warteten schon auf den Besuch für das nächste Dorf, wo ein Dorfbrunnen besichtigt wurde, hier war ich zum erstenmal schockiert über die Armut, die mir vor Augen kam. Es war ganz besonders trocken und das Wasser des Brunnens sah auch schlimm aus. Am Abend fand ein letztes Treffen mit der Cuo Fi statt, bei dem wir unsere Reise noch einmal Revue haben passieren lassen. Wir waren alle sehr zufrieden mit den Projekten, die wir fertigstellen konnten, aber auch für unsere bis jetzt geleistete Hilfe. Unser Aufenthalt wurde als sehr sehr gut bezeichnet. Man kann wirklich nur noch einmal betonen, dass die Menschen hier so nett sind, wie man es sich bei uns nur träumen kann. 

Dienstag, 22.02.01 

Heute ist unser letzter Tag in Piela. Eines der Kinder hat mich heute morgen gegen 6.30 Uhr geweckt, indem er immer wieder gegen meine Tür klopfte. Er wollte sich ganz alleine von mir verabschieden ohne große Worte, nur meine Hand drücken und mir mit seinen lieben aber traurigen Augen nicht Adieu sondern Aufwiedersehen, sagen. Dann haben wir noch zwei Patenkinder besucht, wobei wir auch einen Abstecher zur Gartenanlage Bilanga machten. Der Garten liegt unmittelbar an einem Staubecken und hier gibt es Möhren, Zwiebeln, Kohlgewächse und Bananen. Man kam sich fast vor wie im Schlaraffenland, da wir so etwas grünes die ganzen 4 Wochen nicht gesehen hatten. Es war toll zu erleben, dass man es hier geschafft hat, so etwas aufzubauen. Das macht Mut, auch für unsere Projekte. Am Abend gab es dann die große Verabschiedung! Zwei der Schafe die uns geschenkt wurden, haben wir geschlachtet und zusammen mit unseren Freunden verspeist. Viele Kinder kamen um sich von Werner und mir zu verabschieden. Sie hatten sichtlich Probleme die Tränen zurückzuhalten, wir werden sie genauso vermissen, wie die uns. Ich denke immer wieder wer versorgt sie jetzt?, denn sie sind mir an mein Herz gewachsen.

Mittwoch, 23.02.01 

Um 6.00 Uhr heute morgen, haben wir Piela verlassen, um in die Hauptstadt Ouagadougou zu fahren. Alle unsere Mädels von Torima standen Spalier um sich von uns zu verabschieden, außer ihnen kamen noch einige Frauen und Männer aus dem Dorf. Alle waren sehr traurig, uns eingeschlossen und es viel uns schwer die Tränen zurückzuhalten. Pascal, Matthias, Josef, Jean – Francoise, Celine, Etienne, Cesar, Aime und Veronique sind mit uns gefahren um die letzten Tage mit uns zu verbringen. In Ouaga haben wir dann unsere Zimmer bezogen und sind zum Gelände der Fespaco gefahren, wo wir schon einige Sachen einkaufen konnten. Am Abend kam Abbe Pierre dazu und wir sind zum Restaurant gefahren, wo wir gegessen und noch gemütlich zusammengessen haben.

Donnerstag, 24.02.01 

Hier in Ouaga ist die Luft wirklich super schlecht, man kann kaum durchatmen. Hier ist die Hölle los, erstens natürlich wegen der Fespaco, aber zweitens weil hier tierisch viele Menschen leben, die irgendwie ständig auf ihren Mofas unterwegs sind. Es gibt viele, viele Straßenkinder, die ständig mit traurigen, bettelnden Augen vor dir stehen, aber man kann nicht allen helfen. 

Freitag, 25.02.01 

Heute waren wir auf der Fespaco, wo mächtig was los war, und jede Menge schöne afrik. Kunstgegenstände aber auch med.Sachen angeboten wurden. Um 15.30 Uhr mußten wir dann unsere Koffer einschecken, was nur läppige 3 Std. dauerte. Die Stimmung unserer Freunde war bereits auf den Nullpunkt gesunken, und es war auch für uns ganz mulmig. Als wir dann nach einem gemeinsamen Abendessen, zum Flughafen gefahren wurden, rollten die Tränen doch schon ein wenig. Es war wirklich ein absolut trauriger Moment, den ich so schnell aber nicht vergessen möchte.

Ich danke Allen, die es mir ermöglicht haben, nach Piela zu reisen, dass Land, seine Armut und Probleme erfahren zu dürfen. Ganz besonders danke ich dafür, dass ich Menschen kennenlernen durfte, ihre Liebe, und Freundlichkeit, ihre offene, ehrliche und unkomplizierte Art, einfach erlebt zu haben und viele neue Freunde gefunden zu haben. Piela, ich komme wieder!!! 

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Reisebericht 31.01. – 28.02.1999
 

Sonntag 31.01.1999

 

Gegen 17.00 Uhr landeten wir auf dem Flughafen der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou. Den Weg vom Flugzeug zum Flughafengebäude legt man hier zu Fuß quer über das Rollfeld, zurück. Die Passkontrolle wurde sehr gründlich vorgenommen und auch das Visum, sowie der lmpfpaß schienen von großer Bedeutung zu sein.

Endlich kamen wir zum Flughafenausgang, wo wir bereits von Abbe Pierre, Aime, Matthias, Joseph (der Vater meines Patenkinds Rene), Cesard und zwei weiteren Männern erwartet wurden. Die Begrüßung fiel sehr herzlich aus. Dabei folgt man einem bestimmten Ritual: man gibt sich die Hand und berührt sich mit den gegenüberliegenden Schlafen jeweils viermal im Wechsel. Kurz darauf wurde unser Gepäck auf der Ladeflache von Pierres Pick-up verstaut, die Männer setzten sich dazu und wir konnten vorne in die Fahrkabine einsteigen. Wir wurden zu unserer Unterkunft in der Missionsstation ‚Radio Maria‘ gefahren, und konnten dort direkt unsere Zimmer (mit Dusche und Waschbecken) beziehen. Danach sind wir alle zusammen essen gegangen und für die Männer die sonst nur Hirse und Soße kennen war Restaurant und ein ganzes Huhn pro Person echter Luxus. Allerdings ist essen gehen in Afrika ganz anders als in Deutschland. Hier dauert alles viel länger, dass heißt nicht es wird mehr gegessen oder getrunken, sondern es dauert einfach unendlich lange ehe überhaupt mal eine Bedienung kommt und bis das Essen serviert wird vergeht minimal eine Stunde. Unterhalten können wir uns in Französisch (un peu) oder in Deutsch, wenn Cesard übersetzt. Ansonsten geht alles durcheinander (Französisch, Deutsch, Englisch, Hände, Füße). Diejenigen die in die Schule besucht haben sprechen untereinander Französisch, können aber auch alle den Dialekt Gurmantsche der für die Region Piela üblich ist.


Montag 01.02.1999
 

Um 06.00 Uhr trafen wir uns zur Messe. Abbe feierte sie in einer kleinen Kapelle der Missionsstation. Nach dem Frühstück in der Mission (Weißbrot und Tee) holte Abbe uns ab und wir fuhren in die Stadt. Zuerst besuchten wir die deutsche Botschafterin, um ihr mitzuteilen, dass wir uns in Burkina aufhalten und welche Projekte wir für diese Zeit geplant haben. Im Anschluss daran guckten sich Aime und Pierre Hirsemühlen an, von denen zwei als Projekt für die Frauen angeschafft werden sollen. Mit Lebensmitteln deckten wir uns in einem Supermarkt ein, der ein ähnliches Angebot führt wie die Geschäfte in Deutschland. Alle Einkäufe wurden zu den Koffern auf den Pick-up geladen und den restliche Platz auf der Ladefläche teilten sich die Männer. Unsere nächste Station war der Markt von Ouaga. Sobald wir das Auto verlassen hatten und als Weiße in Erscheinung traten umringten uns die Marktfrauen und versuchten uns ihre Waren aufzudrängen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant machten wir uns um 14.00 Uhr endlich auf den Weg nach Piela. Unterwegs mussten an einer Hütte noch zwei weitere Männer und zwei Matratzen auf der Ladefläche bzw. auf dem Dach verstaut werden. Die Fahrt führte zu Anfang über geteerte Strassen (ohne Mittelstreifen) auf denen das Leben typisch afrikanisch zugeht. An allen Ecken wird gehandelt, jeder hat etwas zu verkaufen. Auf der anderen Seite sieht man aber auch sehr deutlich die Armut der Bevölkerung, besonders viele alte Menschen und Kinder betteln und machen einen extrem kranken Eindruck. Die offenen Abwasserkanäle scheinen die rapide Ausbreitung von Krankheiten nur zu unterstützen. Nach circa vier Stunden kamen uns zehnKilometer vor Piela etwa 150 vorwiegend Jugendliche und Kinder entgegen, die uns bereits erwarteten. Mit Gesang, Musik und Tanz wurden wir begrüßt. Endlich in Piela angekommen versammelten sich alle in der Kirche, wo die meisten Erwachsenen bereits auf uns warteten. Werner und ich mussten vor dem Altar Platz nehmen und Pierre stellte uns vor. Die ganze Zeit über wurde getanzt und gesungen, so dass es mir wie ein Freudenfest vorkam. Zur Begrüßung wurde yiim-piema (weißes Wasser) gereicht. Aus Wasser Hirsemehl, Zucker und Ingwer wird ein Getränk gemischt, das in Kalebassen angeboten wird. Als die ‚offizielle‘ Veranstaltung vorbei war, begrüßten wir jeden einzelnen per Handschlag, was bei der Menge Menschen einige Zeit in Anspruch nahm. Danach konnten wir uns dann in unseren Zimmern einrichten, die mit Dusche und Waschbecken mehr Luxus bieten als ich erwartet hatte.

 

Dienstag 02.03.1999

Um 06.00 Uhr hat Abbe die Messe in der Kirche gehalten und dann gab esFrühstück. Die mitgebrachten Lebensmittel wie Schwarzbrot, Tee, Marmeladeetc. erweisen sich als äußerst angenehm, da sie den Speiseplanabwechslungsreich gestalten. Außerdem kann man durch Selbstversorgungunangenehme Krankheiten vermeiden. Heute sind wir zur ersten Tour durch dieGemeinde aufgebrochen. Gut ausgerüstet mit Luftballons und Bonbons, sowiereichlich Lafi ging es los. Als Unterstützung fuhren gleich mehrere Männer auf der Ladeflache mit. Im Pick-up sind wir auf kaum erkennbaren Wegen (es gibt keine Straßen , nur gelegentlich Pisten) durch die Dornsavanne in die verschiedenen Dörfer gefahren. Die Region ist sehr trocken und lediglichDornsträucher, abgeerntet Hirsefelder, Mango- oder Affenbrotbaume (Baobab) prägen das Bild. In den Dörfern werden wir immer sehr herzlich aufgenommenund begrüßt. Grundsätzlich muss man jedem im Dorf die Hand schütteln. Dabei sagen die Einheimischen „Biala Bialbiala“ was soviel wie ‚Herzlich Willkommen‘ heißt. Als Antwort darauf sagen wir ,Lampoo“.

Brunnen haben wir auch schon getestet, dafür hat Werner von einer deutschenChemiefirma bestimmte Pulver bekommen die in sterilen Gläsern mit 100ml des Brunnenwassers aufgefüllt werden müssen. Nach 24 Stunden sieht man anhand der Verfärbung wie der Test ausgefallen ist.


Mittwoch 03.02.1999
 

Heute haben wir am Mädchenwohnheim ‚Torima‘ den Brunnen getestet. DasWohnheim ist in einem guten Zustand und die junge Frau die die Anlage leitetscheint alles im Griff zu haben. Nur die Toiletten und die Duschanlagen können noch nicht benutzt werden, da die nötige Elektrizität fehlt. Daher scheint eine Solaranlage für ‚Torima‘ meiner Meinung nach besonders wichtig zu sein.

Heute wurde uns auch das neue Patenkind Franceline vorgestellt. Sie ist dasjüngste von sechs Kindern in der Familie und der Vater ist vor einiger Zeitgestorben.

 

Donnerstag 04.02.1999
 

Wir sind früh aufgebrochen, da insgesamt 12 Dörfer angefahren werden sollen.Bei dieser Gelegenheit sehen wir auch alle Patenkinder, so dass wir dieGeschenke der Pateneltern abgeben können. Gleichzeitig können wir auf dieserTour auch noch einige Brunnen testen. Besonders in Dipienga, einem dergrößeren Dörfer war der Empfang sehr überwältigend. Als Gastgeschenkerhielten wir vier Perlhühner. Um 14.00 erreichten wir endlich Madiabari. Indiesem Dorf wohnt mein Patenkind Rene. Diese erste Begegnung mit ihm warsehr schön, zumal er keinerlei Scheu vor uns ‚Weißen‘ hatte. Er macht einengesunden und aufgeweckten Eindruck. Ich habe ihm die Geschenke gegeben undich glaube er hat sich in unserer Gesellschaft sehr wohl gefühlt. In der nächsten Woche wird er uns für

einige Tage in Piela besuchen und dann werden wir uns noch näher kennen lernen können.
Freitag 05.02.1999
 

Im Garten der Missionsstation haben wir ein kleines Beet angelegt mit Zwiebeln und Radieschen. Ich bin mal gespannt ob etwas wächst. Heute haben wir auch die Solaranlage repariert und am Mädchenwohnheim die Flaggen von Burkina und Deutschland gehisst.

 

Samstag 06.02.1999

Als erstes Stand ein Anstandsbesuch beim Präfekten an. Dieser Mann hat eineähnliche Position wie unser Stadtdirektor. Wir haben ihm unser Anliegenbezüglich des Müllproblems vorgetragen, aber er zeigte an diesem Problem kein besonderes Interesse. Danach folgte ein Besuch beim Chef, das ist der Dorfälteste der einem Bürgermeister gleichkommt. Um 11.00 trafen wir uns mit den Mädchen des Wohnheims, um uns über ihre Situation und neue notwendige Projekte zu informieren. Besonders ein Mofa scheint für die Madchen wichtig zu sein. Immer wenn eines der Mädchen krank ist muss es mit dem Fahrrad in die entfernte Krankenstation gebracht werden. Mit einem Mofa wäre dies sehr viel einfacher. Auch einen Volleyballplatz könnten die Madchen sehr gut gebrauchen. Sie würden den Platz selbst herrichten, nur für das Netz und den Ball haben sie kein Geld. Vielleicht findet man ja in Deutschland einige Sponsoren.


Sonntag 07.02.1999

Heute begann der Tag mit der großen Sonntagsmesse. Wir haben Abbe Pierredas neue Gewand überreicht und er hat sich sehr gefreut. Die Stimmungwährend der Messe ist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Hier erscheint mir der Gottesdienst wie ein wirkliches Fest. Die Lieder sind fröhlich, es wird getrommelt und getanzt (auch um den Altar herum). Nach der Messe versammelten sich die Vorstandsmitglieder der Cuo Fi und in einer langen Besprechung wurden alle anstehenden Projekte genau diskutiert und die nötigen Aktivitäten in die Wege geleitet.

 

Montag 08.02.1999

Heute ist mein Geburtstag! Schon zum Frühstück gab es Blumen und Geschenke.Danach haben wir begonnen die Bilder an der Mauer der Missionsstation zu’restaurieren‘. Am Rückhaltebecken werden bereits Steine von den Bauern desOrtes angeliefert, damit wir bald mit den Diguettes anfangen können. Um 16.00 kamen die ersten Jugendlichen, um sich für ihre Aufführung anlässlich meines Geburtstages einzustimmen. Zuerst haben die Jungen angefangen zu trommeln und zu tanzen. Dann wurden für uns Stühle herangeholt und die Mädchen kamen dazu. Dann ging es richtig los. Tanz, Musik, Gesang und Trommeln. Für die Jugend gab es nachher Dolo und für mich und meine Geburtstagsgäste gab es Fritten und Hähnchen. So einen afrikanischen Geburtstag konnte man jedes Jahr haben.

 

Dienstag 09.02.1999
 

Heute haben wir die Steinpresse in Betrieb genommen. Erde und Zement werden 1:20 gemischt und dann angefeuchtet. Mit dieser stabilen Maschine kann man herrliche Steine pressen. Kein Vergleich zu den herkömmlichen Ziegeln, die die Burkinabe hier herstellen. Inzwischen sind auch schon einige Jugendliche angereist. Morgen geht ihre große Jahreshauptversammlung dann richtig los.

 

Mittwoch 10.02.1999

Die Drahtmaschine funktioniert nicht hundertprozentig. Aber die Steinpresse ist voll einsatzfähig. Mit Abbe Pierre haben wir einen genauen Ablaufplan bezüglich der verschiedenen Aktivitäten mit den Jugendlichen gemacht.


Donnerstag 11.02.1999
 

Um 09.00 haben wir allen Jungen die Steinpresse und die Drahtmaschinepräsentiert. Anschließend fand eine Fragestunde statt, in der die Jugendlichen Informationen über Deutschland erhalten konnten. Mit den gepressten Steinen haben wir am Nachmittag eine kleine Mauer mit Rundbogen gemauert, um dieverschiedenen Möglichkeiten mit den neuen Steinen zu demonstrieren.


Freitag 12.02.1999
 

Jeweils 12 Jungen wurden von uns an der Drahtmaschine und an derSteinpresse ausgebildet, damit sie ihr Wissen dann in den Dorfern weitergebenkönnen. Nachmittags haben wir zusammen mit allen Jugendlichen (ca. 400) aufdem Gelände des Mädchenwohnheims Diguettes angelegt. Dazu mussten dieangelieferten Steine von Hand zum Regenrückhaltebecken getragen und dorthalbmondförmig ausgelegt werden. Alle haben sehr eifrig geholfen und dasErgebnis der Arbeit konnte sich sehen lassen.

 

 Samstag 13.03.1999

Um 08.00 begann die Hochzeitsmesse für zwei Brautpaare, die Pierre zusammen mit Abbe Sebastian und einem jungen Priester aus Fada feierte. Da insgesamt so viele Personen da waren und die Zeremonie vor der eigentlichen Messe viel Platz in Anspruch nimmt, fand alles draußen vor der Kirche statt. Nachmittags hatten die Jugendlichen für uns eine Parade vorbereitet. Die Gruppen aus den fünf verschiedenen Sektoren trugen jeweils die gleichen T-Shirts und sangen und tanzten für uns. Als Geschenke gab es für Werner einen Hut und für mich einen Rock. Anschließend gingen wir alle gemeinsam zu dem Hof der Hochzeitspaare wo die Folkloregruppe noch einmal tanzte.

 

Sonntag 14.04.1999
 

Die Sonntagsmesse wurde heute von den Jugendlichen mit Gesang, Tanz, Musikund Fürbitten gestaltet. Seit gestern ist Rene mit seinen Eltern hier und ich bin sehr froh ein paar Tage mit ihm verbringen zu können.


Montag 15.02.1999
 

Heute haben wir den Brunnen der ADDSP in Piela getestet. Von Renes Eltern bekam ich einen Rock geschenkt, das war mir unangenehm, da sie ja selbst nicht so viel Geld haben, und dann geben sie es auch noch für mich aus. Aber es wäre sehr unhöflich gewesen das Geschenk abzulehnen. Den Nachmittag verbrachten wir damit die Diguettes am Rückhaltebecken zu bearbeiten. Gegen Abend waren bereits die meisten Katecheten eingetroffen und wir konnten in einer Versammlung unsere Geschenke an sie austeilen. Dabei wurde noch einmal betont, wie wichtig ihre Arbeit für die Partnerschaft ist.

  

Dienstag 16.02.1999
 

Zusammen haben wir den Katecheten die Steinpresse und die Drahtmaschine vorgeführt. Anschließend wurde ‚Torima‘ besichtigt, damit auch den Katecheten ,als Mitglieder der Cuo Fi, deutlich wird welche Arbeiten der Verein leistet und in wieweit er Hilfe gewährt.

Matthias der Schneider hat für Rene und seine Mutter aus dem Stoff den wir geschenkt haben sehr schöne Kleider genäht. Solche Geschenke scheinen mir besonders geeignet zu sein, da sie auch vor Ort noch eine Unterstützung der Menschen sein können.

Mittwoch 17.02.1999
 

Gemeinsam mit allen Katecheten haben wir heute Morgen die Aschermittwoch-­Messe gefeiert. Danach mussten sich die Katecheten wieder auf den Heimweg machen. Für Rene und seine Eltern bedeutet das 60 km auf dem Fahrrad querfeldein bis Madiabari zu fahren.

Abbe Sebastian hat uns heute nach Dabesma gefahren. In diesem Dorf, in derNähe eines Staubeckens, wohnt Cesard der Grundschullehrer. Seine Frau hat in dieser fruchtbareren Gegend ein kleines Gärtchen in dem sie Zwiebeln anbaut.Auch Mangos, Zitronen und Bananen wachsen hier. Dieses Dorf kam mir wie eine Oase vor, da alles ungewöhnlich grün ist.

 

Donnerstag 18.02.1999
 

Der Damm des Regenrückhaltebeckens ist an einigen Stellen durch dasRegenwasser ausgewaschen, so dass tiefe Rinnen entstanden sind. Wir haben heute damit begonnen sie mit Steinen aufzufüllen und so das Regenwasser zu leiten.

Abbe Pierre fuhr mit uns zu einer Familie deren Hof mitten in Piela liegt. Vor zwei Tagen ist in der Nacht ein Feuer ausgebrochen, das ihre Hütten und ihre Hirse ­und Erdnussernte zerstört hat. Den Menschen ist zum Glück nichts passiert. Als Soforthilfe konnte Werner ihnen 100.000 FCFA geben.

 

Freitag 19.02.1999
 

Die Enkelin von Mama Josephine ist krank. Sie hat Fieber, die Augen sind völlig verklebt und sie hat komische Pocken. Außerdem hat sie an der Schulter eine große Stelle an der die Haut aufgeplatzt ist. Wir versuchen sie mit Antibiotika und Augentropfen zu behandeln. Falls es aber nicht besser werden sollte muss sie in die Krankenstation.


Samstag 20.02.1999
 

Um 15.00 fand ein Treffen mit der Frauengruppe aus Piela statt. Insgesamt sind in dieser Frauengemeinschaft 700 Frauen organisiert, die von einer Präsidentin vertreten werden. Für sie ist das Projekt ‚Hirsemühle‘ und’Erdnussschälmaschine‘. Möglichst bald soll auch noch eine Erdnussölpresse angeschafft werden. Für die Arbeit der Frauen konnte eine Summe von 200.000 FCFA gewährt werden.
Sonntag 21.02.1999
 

Nach der Messe trafen wir uns wieder mit Cuo Fi. Alle anstehenden und bereitsrealisierten Projekte wurden nochmals durchgesprochen und die entsprechenden Anträge lagen teilweise schon vor. Im Anschluss daran sind wir mit den Cuo Fi­ Mitgliedern nach Torima gegangen, um unsere Diguettes zu zeigen. Gleichzeitig konnten wir erklären wie diese kleinen Gärten während der Regenzeit zu bepflanzen sind.

Für den Abend stand ein Besuch beim Präfekt an. Es handelte sich um einen Neujahrsempfang zu dem sämtliche ‚Prominenz‘ des Ortes eingeladen war (Lehrer, Polizist etc.), da durften wir als Besuch aus Deutschland natürlich nicht fehlen. Bei dieser Gelegenheit versuchten wir dem Präfekten das Müllproblem näher zu bringen, aber sein Interesse schien relativ gering. Allerdings konnte er sich darauf einlassen, am nächsten Morgen zur Mission zu kommen um sich den bereits gesammelten Müll anzusehen.

 

Montag 22.02.1999
 

Gegen 11.00 kam der Präfekt um sich vor Ort den gesammelten Plastikmüllanzusehen. Wir zeigten ihm, dass bereits das ganze Missionsgelände gesäubert ist und auch das Rückhaltebecken und das Mädchenwohnheim konnte erbegutachten.

Den Nachmittag verbrachten wir in Bogande, wo wir uns mit dem DeutschlehrerAntoine trafen und gemeinsam zur Meteorologischen Station fuhren. Dochinformierten wir uns über die Windverhältnisse in Piela, um herauszufinden ob sich ein Windkraftrad in dieser Gegend lohnen würde. Leider gibt es aber nurwährend der Regenzeit ausreichend Wind, so dass die Installation einesWindrades nicht sinnvoll wäre.
 

Dienstag 23.02.1999
 

Heute standen verschiedene Besuche auf dem Programm. Zuerst fuhren wir nach Fada um Theophane zu treffen. Er ist für die Bohrung der Brunnen zuständig. Da der Verein mit dieser Arbeit sehr zufrieden ist konnten direkt vier weitere Brunnenprojekte abgesprochen werden. Im Anschluss daran besuchten wir den Markt in Fada und fuhren schließlich zum Bischof. Werner erläuterte ihm eingehend, dass es für die Gemeinde Piela und für die Partnerschaft sehr schade wäre, wenn Abbe Pierre wirklich in eine andere Gemeinde versetzt würde, so wie der Bischof es bereits angedeutet hat. Ob dieses Vorsprechen erfolgreich war muss sich in nächster Zeit herausstellen.


Mittwoch 24.02.1999
 

Seit dieser Nacht habe ich Fieber und heute Morgen kam auch noch Durchfall dazu. Den ganzen Tag habe ich im Bett verbracht und es war sehr langweilig.


Donnerstag 25.02.1999
 

Auch heute bin ich immer noch krank. Ich fühle mich sehr schlapp, so dass ich es gerade mal bis zur Toilette schaffe. Für heute war eigentlich ein Fahrt nach Tofu, Bang und Maxi angesagt. Da der Weg dorthin sehr weit ist, wollten wir über Nacht bleiben und morgen zurückkommen. Leider muss diese Tour aufgrundmeiner Krankheit ausfallen. Aber Werner konnte trotzdem nach Tofu fahren unddie Menschen dort besuchen.

  

Freitag 26.02.1999

Der letzte Tag in Piela und ich bin noch nicht gesund. Schwester Erika von der Krankenstation hat mich besucht und untersucht und anhand einer Stuhlprobe konnte festgestellt werden, dass ich Amöben-Ruhr habe. Zum Glück gibt esdagegen auch in Piela ein Medikament. Das Kofferpacken war für mich doch ganz schön anstrengend- so ganz fit bin ich noch nicht. Den letzten Abend verbringe ich im Bett.

 

Samstag 27. 02.1999

Bereits um 05.00 haben wir uns auf den Weg nach Ouaga gemacht. Nur so ist es möglich der Hitze einigermaßen aus dem Weg zu gehen. Mir geht es inzwischen wieder viel besser, aber ich bin noch schlapp. Nach ca. vier Stunden haben wir die Hauptstadt erreicht und wir wohnen wieder bei ‚Radio Maria‘. Nachdem ich mich für ein paar Stunden hingelegt habe sind wir auf den Markt gefahren. Eigentlich handelt es sich eher um Markthallen in denen sämtliche Waren angeboten werden. Wir haben uns reichlich mit Ketten, Batiken und anderen Souvenirs eingedeckt.


Sonntag 28.02.1999

Der allerletzte Tag in Burkina Faso. Die Sonntagsmesse wurde in der großen Kirche nahe der Missionsstation gefeiert. Danach ging zur Fespako (afrikanische Filmfestspiele). Neben den eigentlichen Filmvorführungen gibt es noch einen großen afrikanischen Markt mit den verschiedensten Angeboten. Menschen ausganz Afrika und Asien, sowie Europa sind zu dieser Zeit in Ouaga anzutreffen.Besonders, die Tuareg sehen sehr beeindruckend aus, da sie besonders groß sind und außergewöhnliche Kleidung tragen.

Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen brachte uns Abbe Pierre zumFlughafen. Der Abschied fiel mir wirklich schwer, da ich mich sehr wohl gefühlt habe. Gegen 24.00 starte dann unser Flugzeug mit einer Stunde Verspätung.