Reisebericht 2015

Reisebericht der Projektreise 2015 Ulrich Burggraf Teil 1 5.1.2015 Um 6:00 Uhr steht Werner überpünktlich vor der Tür. Es kann losgehen. Nach einigen Staus in Brüssel erreichen wir gegen 9:30 den Flughafen Brüssel. Check in und eine gemeinsame Tasse Kaffee mit Werner und dann heißt es „Auf Wiedersehen“. Nun geht es alleine weiter. Der Flug startet pünktlich und landet um 16:15 Ortszeit in Ougadougou (Ouaga) Beim Betreten des Flughafengebäudes werden alle ankommenden Gäste mit einer Wärmekamera gescannt und müssen sich die Hände desinfizieren. Nachdem ich durch die Passkontrolle bin und meine Koffer habe, werde ich schon vom Empfangskomitee erwartet. Cesar, Matthias, Celine, Jean Didier, Eduardo und noch ein Vertreter der Eltern aus Sekouantou empfangen mich herzlich. Danach geht es durch den auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Verkehr von Ouagadougou zum Hotel. In Deutschland würde das als Absteige bezeichnet. Aber es ist relativ sauber, es gibt Strom und Wasser. Jakuba, der Hotel Boy, der früher Cesars Schüler war, hilft beim Aufhängen des Moskitonetzes. Cesar bleibt auch in dem Hotel. Die anderen bleiben in einer noch einfacheren Unterkunft mit 10 Bett Zimmern. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, „gehen“ wir mit dem Auto  (das wird in den nächsten Wochen ein „Running Gag“) ins nahegelegene Restaurant, in dem auch Europäer essen können. Es gibt fast alles. Ich esse ein schönes Steak mit Bohnen (Tipp von Werner), die anderen nehmen Hähnchen. Dazu gibt es Bier. Kostet für 7 Personen 41.000 CFA (10.000 CFA = 16 €), das ist für hiesige Verhältnisse ganz schön viel. Anschließend fahren wir zum Hotel und ab ins Bett, schließlich wollen wir morgen um 8:00 zum Frühstück fahren. 6.1.2015 Cesar und ich starten um kurz vor 8:00, um die anderen abzuholen. Eduardo und der Vertreter der Eltern sind nicht mehr da. Da Zeit relativ ist, können wir dann um 8:40 losfahren um zu frühstücken. Es dauert im morgendlichen Verkehr über eine Stunde, bis wir in der Nähe des Regierungsviertels im „Jardin de L’amité“ für wenig Geld jeder ein Sandwich und einen Kaffee bekommen ( 3000 CFA ). Anschließend zur Botschaft, wo ich nach einer gründlichen Untersuchung zum ersten Sekretär vorgelassen werde. Wir sprechen etwas über meine Pläne und über Burkina Faso, und was wir in den letzten 21 Jahren geschafft haben. Zum Schluss stellt sich heraus, dass Herr Persaud Bad Münstereifel aus seiner Schulzeit kennt. Er kommt aus der Nähe von Aachen und war auf Klassenfahrt im „Eifelbad“. Es ist schon spät und wir müssen noch einkaufen. In dem Kaufhaus bin ich über das Angebot überrascht. Es gibt alles, was man aus Europa auch kennt. Allerdings sind diese Sachen auch sehr teuer. Ich kaufe nach Werners Liste ein, da ich den wahren Bedarf nur schwer einschätzen kann. Cesar ergänzt das Ganze noch durch Dinge, die er meint, dass wir sie brauchen. An der Kasse werden die Waren aus 3 Einkaufswagen von Angestellten verpackt und ich muss über 300.000 CFA zahlen. Auf dem Markt kaufen wir Kartoffeln, gehen noch mal ins gestrige Restaurant eine Kleinigkeit essen und dann wird es höchste Zeit, dass wir losfahren. Die erste Hälfte der Strecke ist eine asphaltierte Straße mit vielen Schlaglöchern und vielen exotischen Fahrzeugen. Auch die Ziegen, Kühe, Esel und Radfahrer auf der “ Autobahn“ verwirren mich zu Beginn. Für die anderen ist das normal, und alle Verkehrsteilnehmer scheinen die “ Regeln “ zu kennen. Zu Beginn der Fahrt wird ein gemeinsames Gebet gesprochen. Nach gut einer Stunde verlassen wir die Straße und nun beginnt die „Piste“, jetzt geht es über eine am Anfang noch breite, aber schon mit vielen Schlaglöchern versehenen Strecke von ca. 130 km nach Piéla. Je näher wir nach Piéla kommen, umso enger und schlechter wird die 2 Straße. Um halb sieben haben wir dann Piéla erreicht und es wird ein Dankgebet gesprochen und dann sind wir auch schon über nicht mehr erkennbare Straßen bei César. Wir werden von Nicola und Joseph erwartet. Alle laden mein Gepäck und die Einkäufe aus und verstauen diese einfach im Wohnzimmer auf dem Boden. Zuerst hängen César und ich das Moskitonetz auf, und dann setzen wir uns zusammen und es wird Bier bestellt. Aus dem benachbarten Bistro bringt Yvette das Gewünschte. Zwischenzeitlich ist auch Cesars fünfjährige Tochter Mariette (Wendy) da, sie war bei der Oma. Um halb zehn gehe ich hoch und packe noch ein wenig aus. Danach schlafe ich sehr gut meine erste Nacht in Piéla. 7.1.2015 Cesar hat mir gestern Abend gesagt, dass wir um 8:00 Uhr unseren ersten Termin haben. So sitzen wir um 7:00 beim Frühstück. Allerdings fahren wir erst um kurz nach 8 los und dann auch noch zu Cesars Arbeitsstelle. Hier treffen wir Anastasia, die auch in der Schulinspektion arbeitet. Das Treffen in Bogandé startet dann auch erst um kurz vor zehn. Das Treffen findet bei der „I.Co.Dev“ Initiative zur Koordination der Entwicklungsziele statt und hat die Aufgabe, diese Koordinierungsaufgabe durch ein Komitee in der Provinz GnaGna wahrzunehmen. Auf nationaler und regionaler Ebene gibt es schon solche Stellen. Nach einigen Diskussionen, auch darüber, ob sich das Komitee in der Politik engagieren soll, wird das Komitee gewählt. Cesar wird auch in das 7-köpfige Komitee gewählt. Politische Aktionen werden übrigens ganz klar ausgeschlossen. Nach dem Treffen gibt es für die Teilnehmer zum Mittagessen Nudeln und Hähnchen, ich verzichte lieber. Danach fahren wir nach Piéla zurück und setzen den Vorsitzenden der Partnerschaft Ochsenhausen, APB David DAMOLGA, den wir mitgenommen hatten, zu Hause ab. Für 18:00 Uhr ist eine Sitzung der „Cuo Fi“ terminiert. Der erste kommt um 18:20 und um 19:00 geht’s los. Einziger Tagesordnungspunkt ist das Programm während meines Aufenthalts. Anschließend lassen wir wieder Bier kommen, und ich überreiche den Mitgliedern des Komitees kleine Geschenke, was große Freude verursacht und ganz viel Dank. 8.1.2015 Am Morgen geht, zum Glück erst nach der kalten Dusche, die Duscharmatur kaputt und das Bad wird fast geflutet. Wir haben keine Zeit zu reparieren und stellen erst einmal das Wasser ab (wenigstens das geht). Heute haben wir einen Termin beim Präfekten und anschließend eine Sitzung des Übergangs-Gemeinderates. Nach der Revolution vom 31.10.14 wurden im Januar alle Bürgermeister abgesetzt und die Gemeinderäte aufgelöst, um so weitere Unruhen in den Regionen und Städten zu vermeiden. Viele Bürgermeister waren wohl auch nicht regulär gewählt. Bis zu Neuwahlen wird die Gemeinde durch den Präfekten und eine „Delegation Special“ geleitet. Diese Delegation besteht aus Vertreten der verschiedenen Organisationen der Stadt, einigen Schulleitern, aber auch dem ehemaligen Bürgermeister und Geschäftsleuten, die teilweise erfolgreich in Ouaga Geschäfte machen. Diesem Komitee gehört César auch an. Vor der Sitzung werden wir noch kurz vom Präfekten empfangen und dieser dankt für unsere große Hilfe in der Gemeinde. Das Thema der heutigen Sitzung ist der Etat. Die eh schon sehr kleinen Summen an Einnahmen der Stadt wurden oft nicht erreicht, weil z.B. Geschäftsleute die Miete oder die Abgaben nicht zahlen (können?) Es fällt auf, dass ein wichtiger Mitarbeiter im Bürgermeisteramt nicht budgetiert wurde und so steht kein Geld für seine Bezahlung zur Verfügung. Cesar fragt, ob wir helfen können und so erklären wir uns bereit, für 3 Monate je 30.000 CFA (45 €) zu übernehmen. Auch nach dieser Sitzung gibt es etwas zu essen und zu trinken. Ich verzichte wieder aufs Essen und begnüge mich mit einem 3 Bier. Anschließend begeben wir uns in das Bistro, das Cesars Frau Angeline gehört und von 2 jungen Frauen, Yvette und Clarisse, geführt wird. Hier ist man nie allein und wir werden von vielen Männern begrüßt. An diesem Ort werden wir uns öfter aufhalten und mit vielen Menschen deren Probleme besprechen, aber auch einige sehr gute Gespräche zu unserer Zusammenarbeit oder auch unsere persönlichen Themen besprechen. Ein wahrer Ort der Kommunikation. Cesars Tochter wird dort meistens auch versorgt, wenn Cesar unterwegs ist und schwärmt die ganze Zeit um mich herum. Am Abend geht die „Männer WG“ dann kochen. Es gibt Kartoffeln und Nudeln. Nach dem Essen kommt der Mann aus dem Bürgermeisterbüro, um sich persönlich zu bedanken. 9.1.2015 Heute besuchen wir Partnerschulen in Piéla. Das sind die Grundschulen A, C, E und das Gymnasium Piéla. Wir beginnen in Piéla C der Partnerschule der Grundschule in Arloff. Piéla C hat 6 Klassen mit insgesamt 384 Schülern, 8 Lehrern incl. des Leiters der Schule, der nicht unterrichtet. 16 Referendare lernen hier und unterstützen die Lehrkräfte. In Piéla A gibt es in ebenfalls 6 Klassen mit 483 Schülern, 8 Lehrern und 13 Referendaren. Diese Schule wurde früher durch die Realschule Bad Münstereifel unterstützt. Leider ist die Partnerschaft „eingeschlafen“ und trotz mehrerer Versuche ist es nicht gelungen, diese wieder zu aktivieren. Ich werde aber nochmals versuchen, einen oder mehrere engagierte Lehrer zu überzeugen. Piéla E ist die kleinste der Schulen in Piéla. Sie hat nur 3 Klassen, so dass die Schüler nicht alle Klassen hier absolvieren können. Zurzeit werden die Klassen 1,3 und 6 hier unterrichtet. Die Hauptschule Bad Münstereifel ist die Partnerschule von Piéla E. Auch in der Hauptschule muss noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden. Piéla E hat in den 3 Klassen 165 Schüler, von denen alleine 85 in die 3.Klasse gehen. An dieser kleinen Schule gibt es nur 3 Lehrer und der Oberlehrer unterrichtet mit. Zum Schluss waren wir im Gymnasium Piéla, welches 1172 Schüler ab der 7. Klasse unterrichtet. Die 19 Klassen werden von 24 Lehrern unterrichtet. Neben Englisch lernen die Schüler auch Deutsch. Das Gymnasium in Piéla wird vom St. Michael-Gymnasium in Bad Münstereifel unterstützt. Durch regelmäßige Sponsorenwanderungen kommen jedes Jahr größere Beträge zur Unterstützung zusammen. An allen vier besuchten Schulen wurde zurzeit keine Schulnahrung gereicht, da es an den Nahrungsmitteln fehlte. Ich habe mir direkt Geld aus Deutschland anweisen lassen um hier sofort zu helfen zu können. Dazu später mehr. 10.1.2015 Kurz nach dem Frühstück besucht uns Abbé Pierre, der heute an einer Gedenkmesse in Piéla teilnimmt und bringt uns Baguette aus Fada mit. Das sieht im Vergleich zu dem, welches wir in Piéla bekommen, echt gut aus. Auch wir besuchen den Gottesdienst, der unter freiem Himmel stattfindet, da nicht alle Besucher in die Kirche passen würden. Ungefähr 40 Priester und der Bischof von Fada zelebrieren eine wunderschöne Messe mit viel afrikanischem Gesang und Tänzen. Anschließend heißt es Händeschütteln. Cesar stellt mir viele Leute vor, hoffentlich kann ich mir das alles merken. Mittags haben wir als Cuo Fi Abbé Pierre zum Essen im Bistro eingeladen. Cesar lässt einige Hähnchen holen, die dann direkt vor Ort (hin) hergerichtet werden. Abbé Pierre ist durch sein langes 4 Schaffen in Piéla sehr bekannt und außerdem ist er ja der Gründer der Cuo Fi. Daher kommen sehr viele Menschen, um ihn zu begrüßen und schenken ihm eine oder mehrere Flaschen Bier oder bringen einen Hahn vorbei. Am Nachmittag treffen wir uns noch mit dem Suchtrupp für Brunnenbohrstellen. Die Bohrstellen werden nicht, wie ich vermutet hatte, mit der Wünschelrute gesucht, sondern mit einem Messverfahren, das mittels Messung des Erdwiderstands die beste Stelle für eine Bohrung ermittelt. Hierzu müssen die Helfer an vielen Stellen Eisenstangen in den Boden einschlagen. 11.1.2015 Sonntagmorgens beginnt die Messe um 8:00 Uhr und zwar pünktlich! Wir kommen um 10 nach 8 an und das Eröffnungslied ist noch dran. Es wird uns direkt ein guter Platz frei gemacht und am Ende der Messe werde ich noch vom Pastor vorgestellt. Wieder eine sehr schöne und feierliche Messfeier. Nach der Mittagspause fahren wir in ein Dorf, nicht allzu weit entfernt, welches auch um einen Brunnen gebeten hat. Cesar befragt die Bewohner nach Einwohnerzahl, Entfernung zum nächsten Brunnen und auch nach Wasserlöchern, aus denen die Menschen „schlechtes“ Wasser holen. Auch erklärt er den Bewohnern, dass der Beitrag für den Brunnenfonds von allen kommen muss. Die Brunnenfonds dienen dazu, Instandsetzungsarbeiten zu bezahlen. Es werden bei der Errichtung eines Brunnens 250.000 CFA eingezahlt. Da wir heute einige Hähnchen geschenkt bekommen haben, gibt es heute „Coq“ (Hähnchen) Am Abend stimmen wir uns noch über das Thema Patenkinder und Sensibilisierung gegen ungewollte Schwangerschaften ab. Das ist ein großes Problem, da noch immer viele Mädchen sehr früh schwanger werden. Wir werden ein Projekt zur Sensibilisierung von Schülern und im Sommer auch der Patenkinder (Mädchen und Jungen) durchführen, denn die Ausgabe von Kondomen alleine hilft nicht, sondern im Gegenteil, dies wird als Aufforderung gesehen, miteinander zu schlafen. In dieser Sensibilisierung wird auch auf die möglichen Erkrankungen durch Geschlechtsverkehr hingewiesen. Ich bin sehr froh, dass ich dieses heikle Thema mit Cesar so offen besprechen kann und, dass wir die gleiche Sicht auf das Thema haben. 12.1.2015 Beim „Haute Commissaire“ der Provinz Gna Gna haben wir heute Morgen einen Termin. Er lobt unsere Arbeit und sagt, dass es ihm nicht ausreicht, wenn wir einen Antrittsbesuch bei ihm machen, sondern er würde nach Piéla kommen, um unsere Arbeit dort zu würdigen. Anschließend können wir endlich meine Pakete bei der Post abholen. Somit ist sichergestellt, dass ich nicht verhungere und auch genug Luftballons und andere Geschenke zum Verteilen habe. Auf dem Rückweg gehen wir zum Chef der Polizei zur Begrüßung und mit der Bitte um Begleitservice für 2 Fahrten in abgelegene Dörfer. Dieser wird uns zugesagt. Am Nachmittag beginne ich mit Matthias, die ersten Patenkinder zu besuchen. Allein mein Erscheinen erregt schon Aufmerksamkeit und durch das Verteilen von Luftballons habe ich das Gefühl, die Kinder wachsen aus dem Boden. Es werden in kürzester Zeit immer mehr. Die Aufnahme der Daten ist nicht so einfach, da Matthias und ich uns nur sehr wenig unterhalten können. Es ist auch nicht immer ersichtlich, wie viele der vielen Kinder zur Familie gehören. So nehmen wir die Größe, den Brustumfang und die Größe der Füße auf und machen Fotos, wenn möglich, auch mit Eltern und Geschwistern. 5 13.1.2015 Es ist so weit. Heute werde ich unser Patenkind Jean Jaques kennenlernen. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf, einer der wenigen zu sein, der sein Patenkind mal sehen kann. Wir fahren um 8:30 zur Polizeistation und ein schwer bewaffneter Polizist in einer schussfesten Weste und Helm begleitet uns in unserem Auto. Der Weg nach Tobou ist bekannt für Überfälle und deshalb haben wir um den Schutz gebeten. Nach gut einer Stunde sind wir im Hauptort von Tobou, müssen aber anscheinend noch weiter. An einer sehr engen Stelle kommt uns ein Motorrad entgegen und hinten drauf sitzt ein Junge mit einem roten T-Shirt. Ich sage zu Cesar: “Solch ein T- Shirt habe ich Jean Jaques geschickt“ und er erwidert: „ Das ist Jean Jaques“. So begrüßen wir uns direkt an Ort und Stelle und nehmen ihn mit zum Haus seiner Familie. Auch dort ist das „Hallo“ groß und als ich ihm den gewünschten Ball schenke, freuen sich alle Freunde mit ihm. Wir sind zum Essen eingeladen und es gibt um kurz nach 10 schon Bier. Danach machen wir Bilder und ich verteile noch Geschenke für die ganze Familie, was natürlich riesige Freude auslöst. Ich hätte so gerne Martina angerufen, damit sie mit Jean Jaques sprechen kann, doch leider hatte ich keinen Empfang. Wir bekommen 2 Perlhühner und vom Opa einen Hahn geschenkt und müssen leider schon wieder weiter. In Tobou erwarten uns schon die Vertreter der Kirchengemeinde. Bernard, der Vater von Jean Jaques, gehört auch dazu. Diese möchten mit uns über die Kirche reden. Die alte Kirche ist sehr klein und das Dach ist sehr baufällig. Trotzdem ist die Kirche sehr schön. Man hat mit einem Neubau direkt nebenan begonnen, aber jetzt fehlen die Mittel, um die Kirche fertig zu bauen. Es stehen nur die Außenwände. Als Dach wurde über ein paar krumme Hölzer Hirsestroh gelegt. Das kann aber nur die Sonne etwas abhalten. Wir können nichts versprechen, aber vielleicht ist dies ja ein Projekt, das durch kirchliche Organisationen Unterstützung finden könnte. Anschließend erfassen wir noch von 2 weiteren Patenkindern im Ort die Daten. Die nächste Station ist die Schule von Eduardo in Sekouantou. In dieser Schule werden zurzeit 180 Schüler in 3 Klassen unterrichtet (Der Bau der 4. Klasse beginnt am 23. Januar). Als wir eintreffen, stehen die Schüler in der heißen Sonne Spalier und wir werden mit der burkinischen Nationalhymne empfangen. Das ist fast wie ein Staatsempfang. Danach folgt ein Rundgang über das ganze Schulgelände. Brunnen, Garten, Baumanpflanzungen, Klassenräume, Esel mit Karren und Pflügen, Küche, Vorratsraum und zum Schluss noch die Felder rund um die Schule. Ich muss schon sagen, dass dies eine echte Musterschule ist. Hier macht sich die sehr gute Unterstützung der Marienschule bemerkbar. Eduardo hat hierfür auch den Verdienstorden des Landes bekommen. Danach gibt es einen Empfang in einem Klassenraum und es werden von den Frauen aus Sekouantou Lieder und Tänze dargeboten. Das ist immer wieder schön anzusehen und zu hören. Von dem Dorfältesten bekomme ich einen typischen Umhang geschenkt (es soll nicht der letzte sein). Die Frauen wollen gerne noch ein Foto mit mir und so nehme ich ein Baby auf den Schoß und Cesar schießt die Fotos. Ich habe hinterher eine nasse Hose. ? Pampers versagt? Wir fotografieren und vermessen die Patenkinder aus Sekouantou und anschließend sind wir noch zum Essen in der Schule eingeladen. Wie immer: Hähnchen, Reis und Bier. Für mich nur Bier. Zum Abschied werden mir noch viele Briefe und Geschenke für die Pateneltern in Deutschland übergeben. Unsere Reisegruppe geht aber auch nicht leer aus und Matthias muss 7 weitere Hähnchen auf der Ladefläche anbinden. Auf dem Heimweg noch ein Stopp in Bilanga, wo die Patenkinder schon seit Stunden auf uns an der Kirche warten. Wir vermessen die Kinder und Cesar erklärt auch hier die Erwartungen an die Kinder, aber auch die Möglichkeiten, die diese durch eine Patenschaft haben. Als es schon dunkel wird, machen wir uns auf den Weg nach Piéla. Das ist aber ungefährlich und nur gut 20 Km recht gute Piste. Den Polizisten lassen wir wieder bei der Polizeistation raus und geben ihm auch eins von unseren Hähnchen ab. Ebenfalls bekommt der Polizeipräsident 2 Hühnchen (eine Hand 6 wäscht die andere). Nachdem die Hähnchen versorgt sind und es keine Frage ist, was es heute zu essen gibt, kochen wir. Der schon lange Tag ist aber noch immer nicht zu Ende. Es kommen noch Leute zum Verbinden von Wunden und nach dem Essen kommen noch 3 Jungen aus Gori, um sich von Cesar Ratschläge für die Organisation ihres Sportfests zu holen. Auf dem Fest soll auch die Cuo Fi durch den „Haute Commissaire“ geehrt werden. Wir setzen uns dazu noch etwas im Bistro zusammen. Das ist der bisher anstrengendste, aber auch schönste Tag für mich. Ich konnte unser Patenkind treffen, das war sehr bewegend. Ich falle sehr müde ins Bett und schlafe wie immer sehr gut. 14.1.2015 Schon zum Frühstück um kurz nach 7 stehen 2 Männer aus dem Dorf, das wir am Sonntag besucht haben, vor der Tür. Sie berichten, dass es nur eine Stelle gibt, an der eine Bohrung erfolgsversprechend wäre: diese liegt jedoch nur wenige Meter neben einem Flussbett, welches in der Regenzeit Wasser führt. Die Stelle, an der die Bohrung möglich wäre, würde in der Regenzeit durch das Regenwasser überflutet. Wir fahren nach dem Frühstück umgehend mit den Männern in ihr Dorf, um uns ein Bild davon zu machen. Es ist leider wie berichtet, und es gibt auch keine Alternative. Schweren Herzens müssen wir den Bewohnern mitteilen, dass wir an dieser Stelle keinen Brunnen bohren können. Anschließend fahren wir in ein Dorf in der Nähe, wo es auch noch keinen Brunnen gibt. Das Pech des einen ist das Glück des anderen. Wir schauen uns die Bedingungen im Dorf an und bestellen den „Wassersucher“ in dieses Dorf, um die beste Bohrstelle hier zu finden. Mittags sind wir zurück in Piéla und ich nutze mit Matthias die Zeit, in der die Kinder zu Hause sind. Wir besuchen 7 Patenkinder und verteilen noch viel mehr Luftballons. Am frühen Abend besuchen wir noch 2 Kinder in Piéla. Darunter ist auch ein Mädchen, das geistig behindert ist. Cesar erzählt mir später, dass sie nicht seit der Geburt so krank sei und, dass es in der Familie des Vaters wohl mehrere Erkrankte gab. Das Mädchen lebt bei seiner Oma und die Bilder, die ich mache, kann ich so nicht weitergeben. Ich bitte Cesar, einen neuen Termin zu vereinbaren und, dass sich jemand um das Mädchen kümmert. Heute brauchen wir nicht kochen, denn wir sind bei den Priestern eingeladen. Da diese sauber kochen, kann ich dort etwas essen, meint Cesar. Ich vertraue ihm und esse erstmals auswärts. Im Anschluss sprechen wir noch lange mit Abbé Remy über die ärmsten Kinder in der Gemeinde und er eröffnet uns, dass er eine Schule für Blinde kennt und am nächsten Tag mit uns gemeinsam das blinde Mädchen Adama und ihre Familie besuchen würde, um mit ihnen die Möglichkeit zu besprechen, diese Schule zu besuchen. Das größte Problem ist, am Ort der Schule jemanden zu finden, bei dem das Kind bleiben kann. 15.1.2015 Während Cesar nach dem Frühstück zur Arbeit muss, gehe ich zur Kirche, um mir die Hochzeit von 25 Paaren anzuschauen. Heute ist Donnerstag und die Kinder haben schulfrei (wie jeden Donnerstag). So gelange ich mit einer immer größer werdenden Gruppe „Bodyguards“ zur Kirche. Zum Glück habe ich Luftballons mitgenommen. Nach der schönen Zeremonie belagern die Kinder mich wieder, bis die Luftballons alle sind, kurz danach sind auch die Kinder weg. Ich gehe nach Hause, da um 10:00 Uhr ein Treffen mit Vertreten der Patenkinder aus Piéla angesetzt ist. Dieses beginnt um 11:20 Uhr: Cesar 7 spricht die Probleme mit den 8 Mädchen (schwanger und oder verheiratet) und den 2 Jungen an, die nicht zur Schule gehen und stehlen. Bei den Jungs sind wir uns einig, dass wir das nicht hinnehmen können. Bei den Mädchen habe ich nochmals klar gemacht, dass es an den Pateneltern in Deutschland liegt, ob sie die Mädchen weiter unterstützen möchten. Ich habe aber auch zugesagt, darauf hinzuweisen, dass es „schlechte Beispiele“ sind, und ich die Sorge der Cuo Fi gut verstehe. Es wird auch über die Chancen, die eine Patenschaft den Kindern bietet, gesprochen und Cesar hat einen Brief aus Deutschland vorgelesen, in dem nach mehr Informationen gefragt wird, aber auch Unterstützung für Gymnasium und sogar Studium angeboten wird. Das kommt gut an und verdeutlicht, warum Informationen für die deutschen Pateneltern notwendig sind. Zum Schluss werden noch die Summen vorgelesen, die die einzelnen Patenkinder bekommen. Ich erkläre ergänzend, dass die Pateneltern in Deutschland wesentlich höhere Aufwendungen haben als die Summe, die hier am Ende ausgezahlt wird. Paketkosten, Medizin, Kleider…..Die Vertreter der Patenkinder danken für die aufklärenden Hinweis und, dass sie jetzt wissen, wie es mit den Patenschaften weitergehen kann. Auch sie haben sich ähnliche Gedanken wie wir in Deutschland gemacht. Am Nachmittag fahren wir gemeinsam mit Abbé Remy zur Familie von Adama, dem blinden Mädchen. Gemeinsam mit ihrer Familie möchten wir über die Möglichkeit sprechen, dass Adama eine Blindenschule besuchen kann. Alle hören sich das an, was der Abbé und auch Cesar sehr sachlich vortragen. Die Familie stimmt dem Vorschlag zu, Adama hingegen ist durch die überraschende Nachricht etwas „überrumpelt“ und kann gar nichts sagen. Uns ist klar, dass dies für das junge Mädchen zu viel ist, um eine solche Entscheidung direkt zu treffen. Wir machen der Familie aber auch klar, dass nur Adama letztendlich die Entscheidung treffen kann. Wir lassen ihr Zeit für ihre Entscheidung. 16.1.2015 Heute sind wir gut durchgerüttelt worden. Wir haben Patenkinder in Gayeri besucht und auch auf dem Weg dorthin einige von ihnen vermessen und fotografiert. Die Strecke nach Gayeri führt über 120 Km katastrophalste Straßen und weil diese wieder eine gute Gelegenheit für Überfälle bieten, haben wir heute 2 Polizisten dabei. Auf dem Hinweg fahren wir über Gori und ich kann sehen, wie die Menschen hier mit einfachsten Mitteln nach Gold suchen. Frauen sitzen mit Ihren Kindern auf dem Boden und graben mit Blechdosen in der Erde. Die ganze Gegend ist voller Löcher von der Goldsuche. Wir kommen nach über 3 Stunden in Gayeri an und haben dort das Treffen mit den Patenkindern. Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse haben wir den Weg auf uns genommen, damit die Pateneltern mit ihren Kindern morgen nicht mit dem Motorrad nach Piéla kommen müssen. Den Patenkindern und deren Eltern wird auch unser Schreiben vorgelesen und unsere Erwartungen an sie klargemacht. Der Rückweg geht etwas schneller, da wir eine andere Route wählen. Heute Morgen hat Cesar in Ouaga Trikots und Bälle für das Sportfest in Gori bestellt. Diese sind am frühen Abend schon in Piéla. Manche Sachen gehen auch in Afrika schnell! 17.1.2015 Das Treffen mit den Patenkindern und deren Eltern findet heute im Mädchenwohnheim „Torima“ statt. Dadurch habe ich endlich die Gelegenheit, mir einen ersten Eindruck vom Wohnheim zu machen. Die Schlafräume sind klein, aber aufgeräumt. Die Waschräume mit den Duschen und Toiletten sind renovierungsbedürftig. Hier wird Cesar ein Angebot erstellen lassen. Das Patenkindertreffen verläuft inhaltlich so wie die Treffen mit den verschiedenen Vertretern an den Tagen zuvor. Nachdem Cesar alles erklärt hat, vermessen Matthias und ich die Kinder und 8 fotografieren sie. Cesar und die anderen vom Komitee zahlen das Geld der Pateneltern aus Deutschland aus, das primär für den Schulbesuch verwendet werden muss. Am Nachmittag hat Cesar erfahren, dass seine Oma verstorben ist und am nächsten Tag (Sonntag) um 15 Uhr beigesetzt wird. Am späten Abend besprechen wir schon mal die Planung für die nächste Woche und, welche Projekte wir noch während meines Besuchs umsetzen möchten. Hauptaufgabe ist es, für Schulnahrung zu sorgen. Um die Projekte noch während meiner Anwesenheit durchführen zu können, bitte ich in Deutschland um die Überweisung von weiteren Geldern. Tanja wird am Montag 14.000 € überweisen. 18.1.2015 Durch den Tod der Großmutter ändern sich unsere Pläne. So fahren wir heute nach Fada, um an der Beisetzung von Cesars Oma teilzunehmen. Wendy und ein Onkel von Cesar fahren ebenfalls mit uns. Fada ist eine aufstrebende Stadt, in der man schon mehr Entwicklung erkennen kann. Es gibt asphaltierte Hauptstraßen und am Stadtrand schon modernere Bauten. Wir fahren zuerst zu Cesars Schwester, wo Cesar und Wendy auch übernachten werden. Ich werde in einer Herberge ganz in der Nähe übernachten. Hier habe ich einen Rundbungalow mit ca. 8 Metern Durchmesser für mich alleine: Echt schön und auch sauber. Bei Cesars Schwester treffen wir auch Cesars älteste Tochter Carine, die ich ja schon von ihrem Besuch in Deutschland 2001 kenne. Sie geht in Fada zur Schule und lebt deshalb bei Cesars Schwester. Es ist sehr oft der Fall, dass die Kinder bei Verwandten wohnen. Mittags begeben wir uns zum Haus, in dem die Oma mit anderen Familienmitgliedern gewohnt hat. Hier haben sich die ganze Familie und Freunde versammelt, um Abschied zu nehmen. Auch wir nehmen im Zimmer der Großmutter Abschied von ihr. Sie liegt, zugedeckt mit einer Decke, auf dem Boden ihres Zimmers. Vor der Beisetzung gibt es eine Feier im Hof des Hauses und anschließend wird sie mit Cesars Auto zum Friedhof gefahren. Ich fahre mit Abbé Pierre, da das Auto von Cesar der Familie vorbehalten ist. Auf dem Friedhof haben junge Männer ein ca. 3 Meter tiefes Grab gegraben. Hier wird der Sarg beigesetzt, und die Männer schließen das Grab direkt. Währenddessen singen und tanzen die Frauen. Danach macht sich die Trauergemeinde wieder auf den Weg zum Haus der Familie. Hier werden Getränke gereicht und es wird viel miteinander gesprochen. Wir fahren am frühen Abend zum Hotel und Restaurant „11 December“, um dort zu essen. Ich hatte mich schon auf etwas anderes als Hähnchen gefreut, doch leider war das Rindfleisch aus. So haben wir uns Hähnchen bestellt und gegessen. Das Hotel wird von vielen internationalen Gästen besucht (UN, WHO usw.). Um kurz nach 9 gehe ich in meinem schönen Zimmer dann ins Bett und schlafe auch hier sehr gut. 19.1.2015 Heute überrascht mich Cesar damit, dass er 5 Minuten zu früh an meiner Tür klopft ☺. Macht aber nichts, ich bin so gut wie fertig und wir checken aus. Kostet ganze 7500 CFA (11,40 €). Anschließend frühstücken wir wieder im „11 December“. Leider ist die Auswahl sehr begrenzt und da ich kein Omelett mag, muss ich mich mit Baguette und Butter begnügen. Macht aber nichts. Anschließend sind wir schon wieder pünktlich beim nächsten Termin. Wir besprechen mit dem Leiter der „Ocades“ (Caritas), wie es mit den Brunnenbohrungen weitergeht. Ich möchte unbedingt an mindestens einer Bohrung teilnehmen und diese dokumentieren. Uns wird zugesagt, dass es in der nächsten Woche die ersten Bohrungen geben wird. Anschließend fahren wir noch einmal kurz bei der Familie vorbei, wo schon wieder (oder noch immer) viele Leute zusammensitzen. Kurz vor Mittag holen wir Wendy und den Onkel ab und fahren zurück nach Piéla. Der Nachmittag ist ruhig und ich übertrage die Daten der Patenkinder in meine Datenblätter. 9 20.1.2015 Cesar muss heute Morgen noch mal zur Arbeit. Matthias kommt vorbei und schenkt mir ein schönes Hemd mit dem Motiv des Hl. Antonius von Padua. Wir haben heute Mittag eins der Patenkinder, das zurzeit nicht zur Schule geht und ein schlechtes Beispiel ist, zu uns bestellt. Der Junge wird von seinem älteren Bruder begleitet, und dieser erklärt, dass der Junge nach dem Tod seines Vaters im letzten Jahr „etwas aus der Spur“ gekommen sei, da er sehr an seinem Vater gehangen hat. Mittlerweile ist das wieder besser. Der Junge möchte aber nicht mehr zur Schule gehen, sondern eine Ausbildung in einem Metall verarbeitenden Beruf machen. Der Bruder hat sich auch schon informiert, wo es die Möglichkeit gibt, eine solche Ausbildung zu machen. Das wäre in Fada möglich. Ebenso hat der Bruder sich schon um eine Möglichkeit bemüht, wo der kleine Bruder während der Ausbildung wohnen könnte. Mit diesen Informationen können wir mit gutem Gewissen zusagen, dass gegen die Fortführung der Patenschaft von unserer Seite nichts einzuwenden ist. Ich werde den Pateneltern in Deutschland den Sachverhalt auch persönlich schildern und meine Empfehlung aussprechen, die Patenschaft fortzusetzen, wenn die Möglichkeiten dies zulassen. Nachmittags fahren wir nochmals nach Bogande, da Cesar informiert wurde, dass dort 10 Pakete angekommen seien. Die 10 Pakete sind teilweise von uns: Hygieneartikel wie Seife, Reinigungstücher, Hautcreme, die uns durch die Firma „Peter Greven Fettchemie“ gespendet wurden. Die anderen Pakete kommen von Action Medeor und beinhalten Medizin, Moskitonetze und Kondome. Wir nutzen den Aufenthalt in Bogande, um noch 2 weitere Patenkinder zu treffen und die Daten aufzunehmen. Zum Schluss müssen wir zur Bank, um Geld abzuheben, welches wir zum Einkauf der Nahrungsmittel für die Schulen und den Neubau der 4. Klasse in Sekouantou benötigen. Am Abend besprechen wir noch einmal den Bau eines Gebäudes für die Cuo Fi , in dem Versammlungen, Treffen des Comittees, aber auch die alltägliche Arbeit stattfinden kann. Ich denke, dass wir das Projekt so nicht gefördert bekommen und habe Cesar gesagt, dass hier etwas entstehen muss, das nachhaltig den Betrieb des Gebäudes sichert und am besten einigen Menschen Arbeit bietet. Ich hatte an die Herstellung von Misola (Säuglingsnahrung) gedacht. Dazu aber später mehr. 21.1.2015 Heute Vormittag besuchen wir den Kindergarten in Piéla. Dieser hat als Partner in Deutschland den Kindergarten Iversheim und wird durch diesen sehr gut unterstützt. Der Kindergarten Piéla betreut 85 Kinder in 3 Gruppen, hat aber nur 2 Betreuer (Lehrer). Auch im Kindergarten wurde ich mit der burkinischen Nationalhymne empfangen und war fast noch mehr gerührt. Welches Kindergartenkind kann in Deutschland die Nationalhymne singen? Im Kindergarten werden die Kinder mit einfachen Mitteln auf die Schule vorbereitet. Die angekündigte Unterstützung zur Nahrungshilfe stößt auf große Freude bei den Betreuern, jedoch können wir nicht alle Wünsche erfüllen und so muss auch hier ein Kompromiss gemacht werden. Wir bekommen eine Liste mit den notwendigsten Lebensmitteln, die durch das geplante Budget möglich sind. Leider können wir nicht alle Wünsche erfüllen, da nicht absehbar ist, wie sich unser Spendenaufkommen entwickelt und wir auch in diesem Jahr Reserven für die allgemeine Hungerhilfe benötigen. Das macht auch die Projektplanung so schwierig. Am Ende unseres Besuchs lassen wir noch Seife und andere Hygienemittel im Kindergarten und ich verteile natürlich noch Luftballons und Bonbons. Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, dass ein einziger Luftballon so viel Spaß machen kann. Am Nachmittag haben wir einen Termin mit Cesars Chef und einigen Kollegen in der Schulinspektion 1. Nach dem Dank für unsere geleistete Unterstützung werde ich gebeten, auch das diesjährige 10 Schulsportfest der ganzen Gemeinde Piéla zu unterstützen. Mir ist schon klar, dass dies ein wichtiges und unterstützungswürdiges Event ist. Ich muss aber auch klar machen, dass in Deutschland „das Geld nicht auf Bäumen wächst“ und es klare Priorisierungen gibt. Zum Glück haben Cesar und ich auch bei diesem Thema das gleiche Verständnis und Cesar nutzt diesen Satz mit den Bäumen auch ganz gerne. Ein weiterer Wunsch war die Bereitstellung eines Computers, um Cesars Arbeit zu erleichtern. Bei einem Blick auf Cesars Schreibtisch halte ich die Bitte für gerechtfertigt. Cesar ist in der Inspektion für die Verwaltung der Schülerdaten zuständig. Die Daten der ca. 2000 Schüler werden heute noch auf Papier erfasst. Für jeden Schüler 2 Blätter. Hier ist zu überlegen, ob es sich lohnt, einen älteren Laptop mit französischem Betriebssystem zu versehen und nach Piela zu senden, oder, ob wir besser einen in Piéla kaufen. Wenn jemand einen Laptop mit französischem Betriebssystem abzugeben hat, kann er mich gerne kontaktieren. Später schauen wir uns zu Hause den Afrika Cup an. Burkina Faso spielt gegen den Gastgeber Äquatorialguinea. Leider endet das nicht sehr gute Spiel 0:0. Nachdem Burkina Faso das erste Spiel schon 2:0 gegen Gabun verloren hat, sind die Hoffnungen auf ein Weiterkommen sehr gering. Am Abend besuchen wir die Mädchen in Torima und verteilen den Inhalt der Rucksäcke, die wir mit den Patenpaketen gesendet hatten. Neben Vitamintabletten und Schulsachen sind auch Kleidungsstücke dabei. Cesar macht aus der Verteilung eine Verlosung und besonderen Spaß bereitet ein für die Mädchen recht großer BH. Dieser wird natürlich von einem eher dünnen Mädchen gewonnen, aber zum Schluss findet er doch noch eine „passende“ Abnehmerin. Die Mädchen tauschen sich ihre Sachen schon so, dass es passt und haben viel Freude an unserem Besuch. Ich kann mich sogar auf Deutsch vorstellen, da einige im Gymnasium Deutsch lernen und es für die anderen übersetzen. Es ist sehr schön zu sehen, dass wir hier immer noch sehr gute Hilfe leisten und die Früchte auch sichtbar sind. Währenddessen hat Nicola zu Hause 2 Hähnchen vorbereitet, die wir nur noch in den Ofen schieben müssen. Bald wachsen mir bestimmt Flügel ☺. 22.1.2015 Da die Händler eine Bestellung über 4 Mio. CFA telefonisch nicht annehmen, müssen wir heute in das ca. 100 Km entfernte Pouytenga fahren, um die Nahrungsmittel für die Schulen und das Baumaterial für den Bau der 4. Klasse zu kaufen. Ich bin froh, dass wir Cesar ein so gutes Auto zur Verfügung gestellt haben. Diese Strecke ist eine Ansammlung von Schlaglöchern. Unterwegs sehen wir an einem See ein Krokodil, und nicht weit davon spielen Kinder im Wasser und ein alter Mann wäscht sich. Pouytenga ist ein riesiger Handelsort. Am Ortsrand ist ein Tiermarkt, auf dem Kühe und Ziegen, auch ins benachbarte Ausland, verkauft werden. Beim Bürgermeisterbüro laden wir einen Bekannten von Cesar ein, der uns bei den Einkäufen später behilflich ist. Die ganze Stadt ist ein riesiger Basar, durch den auch Autos, Mopeds, Eselskarren und LKWs durchfahren. An dem Laden angekommen, moderiert der Bekannte den Kauf /Verkauf etwas (So funktioniert das wohl in Afrika). Wir bestellen insgesamt 6,5 Tonnen Reis, 750 Liter Speiseöl, 640 kg Nudeln und noch 50 kg Zucker. Somit haben wir fast die 4 Mio. CFA aufgebraucht. Für den Rest werden wir in Piéla noch Milch und Maggi-Würfel kaufen. Wir bestellen noch Eisen und Zement für Sekouantou. Eine kleine Stärkung muss jetzt drin sein, und den Freund, der uns geholfen hat, laden wir selbstverständlich ein: Eine Hand wäscht die andere. Nun geht es wieder nach Hause und wir waren insgesamt 7 Std. unterwegs, um einzukaufen. Morgen soll schon geliefert werden und es ist wichtig, dass wir hier direkt gehandelt haben! 23.1.2015 Der Morgen beginnt hektisch, weil es Probleme mit einer Zollerklärung für den Reis gibt. Cesar muss eine Stunde herumtelefonieren und es nicht klar, ob die Nahrungsmittel heute geliefert werden 11 können. Notfalls müssen wir heute nochmals nach Pouytenga. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Sekouantou, um dort mit dem Maurer das „Schurgerüst“ zur errichten. Direkt vor Bilanga steht der LKW mit unseren Nahrungsmitten und Baustoffen und hat eine Panne. In Sekouantou werden wir schon erwartet, obwohl wir keine Zeit vereinbart hatten (Zeit ist eh relativ). Jetzt beginnen erst mal die Diskussionen, wo denn das Klassenzimmer errichtet werden soll. Bei so vielen Leuten gar nicht so einfach. Nachdem das geklärt ist, beginnt der Maurer mit Maßband, Winkel und ein paar Eisenstangen, den Grundriss möglichst rechtwinklig festzulegen. Das gelingt ihm sehr gut. Der LKW hat Sekouantou leider noch immer nicht erreicht, so dass ich die Nahrungsmittel nicht persönlich übergeben kann. Wir fahren zurück nach Piéla, wo Cesar noch arbeiten muss und ich Afrika-Cup schaue. Im Moment haben die Kinder der nahegelegenen Katholischen Grundschule keinen Unterricht und „wimmeln“ den ganzen Tag um unser Haus herum, um Luftballons zu bekommen. Wir besuchen am frühen Abend die Ordensschwestern, und später im Bistro philosophieren wir noch etwas über die doch verschiedenen Welten, in denen wir leben. 24.1.2015 Das Komitee der Pateneltern aus Piéla hat uns für heute Morgen eingeladen. Es gab nach unserem ersten Treffen eigentlich nichts Grundsätzliches mehr zu besprechen, aber es war ihnen sehr wichtig, nach unserer ersten Einladung eine Gegeneinladung auszusprechen. Es ist eben hier sehr wichtig, wer eingeladen hat. Somit gibt es auch nicht viel zu besprechen: Der Vertreter der Eltern dankt noch einmal dafür, dass es jetzt einen klaren Weg für die Patenschaften gebe. Mir wird im Namen der Patenkinder ein weiterer Umhang geschenkt, diesmal sogar mit Hose. Zum Abschluss gibt es, auch zur Freude der Katze, noch Hähnchen und Bier (Die Knochen landen auch hier teilweise auf dem Boden). Mittags werden noch die Nahrungsmittel für den Kindergarten bei uns zu Hause angeliefert, da dieser heute nicht geöffnet hat. Für den Nachmittag steht das Sportfest in Gori auf dem Programm. Die ganzen Ehrengäste (HauteCommissaire, Präfekt, Bankdirektor, Schulleiter, Chef der Polizei, ehemaliger Bürgermeister usw.) treffen sich erst einmal im Bistro. Nachdem alle da sind, setzt sich der Konvoi in Bewegung. Die Straße nach Gori ist nicht die beste. Kurz vor Gori werden wir von weiteren 5 Autos erwartet. Das sind die „Jungen aus Gori“, die in ihren neuen Anzügen aussehen wie Minister (O-Ton Cesar). In einem langen Konvoi fahren wir jetzt ins Dorf, wo schon viele Menschen an der Straße stehen und warten. Am Sportplatz werden wir schon erwartet und umgehend zu unseren Ehrenplätzen geleitet. Jeder wird mit Namen und Funktion angekündigt, bevor er auf den riesigen Wohnzimmersofas und Sesseln Platz nimmt. Das Spiel beginnt nach ein paar kurzen Ansprachen und wird live von einem Sprecher kommentiert. In der Pause wird eine traditionelle Gesangseinlage vorgeführt, vor der mich Cesar schon „gewarnt“ hat. Das Besondere daran ist, dass der Sängerin während des Gesangs fortwährend kleine Geldscheine gegeben werden, teilweise einfach geworfen, so dass Helfer das Geld aufsammeln müssen. Mich befremdet das Ganze in einem so armen Land schon etwas. Cesar sagt, das sei Tradition und hat mich auch mit kleinen Scheinen versorgt, so dass auch ich an dieser „Tradition“ unter großem Applaus teilhaben kann(muss). Das Spiel endet 0:0 und muss durch Elfmeterschießen entschieden werden. Bei diesem habe ich den Eindruck, dass eine der beiden Mannschaften gewinnen soll, sich aber zu ungeschickt dazu anstellt. So steht nach langem Hin und Her der Sieger fest. Nach dem Spiel gibt es Ansprachen, in der der Haute Commissaire besonders die Arbeit der Cuo Fi lobt. Cesar darf auch reden. Die Ehrengäste bekommen auch alle Geschenke überreicht. Cesar und der Hauté Commissaire bekommen einen Schafsbock, andere einen Umhang, und ich bekomme ein großes Portrait von mir, in Öl gemalt und zudem auch noch einen Umhang (Nr.4). Anschließend erfolgt die Siegerehrung, bei der die Bälle und Trikots übereicht werden. Das 12 Fest geht jetzt im Dorf weiter, da es auch schon dunkel ist. In einem sehr schön hergerichteten Innenhof sitzen wir an der Ehrentafel, und es gibt allerlei Leckereien (Hähnchen, Fisch, Salate usw.) Ich verzichte lieber, da sich das bisher gut bewährt hat. Später fahren wir im Stockdunkeln wieder geschlossen nach Hause. Das ist ein echtes Abenteuer auf diesen Straßen! Zum Abschluss setzen wir uns dann noch einmal alle am Bistro zusammen und spülen den Staub herunter. Dann ist ein weiterer langer Tag vorbei und morgen soll es schon früh nach Fada gehen. 5:30 ?? ☺ 25.1.2015 4:45 Uhr: Aufstehen und genau eine Minute später fällt der Strom aus. Also dusche ich heute im Dunkeln bzw. im Lichtschein der Taschenlampe. Um 5:30 Uhr sitzen wir dann beim Frühstück und Cesar wundert sich, dass noch niemand da ist: ich nicht. Matthias kommt dann bald, fährt und holt 5 Matratzen im Mädchenwohnheim und fängt 6 Hähnchen, um diese mitzunehmen. Um 6:30 fahren wir dann fast pünktlich los. Wir sind sechs Personen: Neben Cesar und mir noch Matthias, Celine, Jean Didier und Jean Francois. Kurz vor Fada ist die Straße durch Fahrräder, Mopeds und sonstige Gefährte fast verstopft. Alle wollen zu der Messe. Wir fahren erst noch bei Cesars Schwester vorbei um unser Gepäck, Matratzen und Hähnchen auszuladen. Danach fahren wir auch zum Gelände, auf dem die Messe stattfindet. Dies ist ein Wallfahrtsort zu Ehren der Mutter Gottes. Hier sind wir nicht alleine. Mittlerweile haben sich hier mehrere 1000 Menschen eingefunden und gegen halb 10 beginnt die Messe. Anfangs macht es mir nichts aus, dass es hier keinen Schatten gibt, aber um 12:00 brennt die Sonne schon sehr stark, so dass ich beginne, die Farbe von weiß nach rot zu wechseln. Da ein Ende der Messe noch nicht absehbar ist, setze ich mich zu einer Frau unter einen Sonnenschirm. Mir wird auch direkt Platz gemacht. Nach gut 4 Stunden ist die Messe dann endlich zu Ende, und ich freue mich auf Schatten und etwas mehr zu trinken. Ich hatte mir nur einen halben Liter Wasser mitgenommen. Am Auto treffen wir uns dann noch mit einigen Patenkindern und Jean Gabriel mit Familie. Nachdem wir unser Gepäck wieder eingeladen haben, fahren wir am frühen Abend nach Namungou zu Abbé Pierre. Wir schauen gemeinsam das Spiel Burkina Faso gegen den Kongo an, das Kongo leider 2:1 gewinnt. Danach gibt es etwas zu essen und dann gehen wir auch alle früh schlafen, da morgen früh um 6:00 die Messe beginnt. Ich schlafe in einem Gästezimmer mit Bett, Moskitonetz und Dusche mit WC. Die anderen schlafen in einer Hütte auf den mitgebrachten Matratzen. 26.1.2015 Heute Morgen habe ich mir den Wecker auf 5:30 gestellt, muss aber feststellen dass es um diese Zeit noch keinen Strom gibt (erst ab kurz vor 6 Uhr) und um 6 beginnt dann auch schon die Messe. Pierre erzählt den angehenden Katecheten von der Entstehung der Partnerschaft Piéla Bad Münstereifel und am Ende der Messe stellt er unsere Reisegruppe vor und bedankt sich für all die Unterstützung, die der Region, aber auch ihm zugutegekommen ist. Nach dem Frühstück zeigt Pierre uns, was in Namungou gemacht wird. Namungou ist eine kirchliche Ausbildungsstätte, in der junge Menschen zu Katecheten ausgebildet werden. Diese Ausbildung dauert 4 Jahre. In dieser Zeit leben die Anwärter mit ihren Frauen und max. 3 Kindern in Namungou oder in Komepinbega. Alle 2 Jahre werden neue Anwärter aufgenommen. Zu Beginn müssen die Anwärter 3 Sack Hirse mitbringen oder den Gegenwert einzahlen. Es wird, neben kirchlichen Themen, auch viel anderes Wissen für das zukünftige Leben vermittelt. Die jungen Frauen können oft nicht lesen und schreiben und so wird ihnen das zu Beginn der Ausbildung beigebracht. Die Männer, die schon zur Schule gegangen sind, lernen Französisch. Gemeinsam lernen die Paare Fakten zu Hygiene, Familienplanung und Gesundheit, Basiswissen zu 13 den anderen Religionen. Im zweiten und dritten Jahr sind die angehenden Katecheten mit ihren Familien in Komepinbega, um dort zu lernen, sich durch Ackerbau und Viehzucht selbst zu ernähren: sie bestellen die Felder und säen diese ein und ernten sie schließlich ab. Die Ernte dürfen sie behalten und müssen mit dem Ertrag ihre Familie versorgen. Nach dem Abschluss der Ausbildung kehren die Katecheten in ihre Heimatgemeinde zurück und werden vom Pfarrer dann dort eingesetzt, wo es Bedarf gibt. Als Grundausstattung bekommen die Katecheten dann einen Esel, einen Plug, eine Eselskarre, eine große Harke und ein Fahrrad. Diese Materialien zu besorgen, ist unter anderem die Aufgabe von Abbé Pierre. Da er gut vernetzt ist, weiß er, wo er Förderquellen in Europa nutzen kann. (z.B. Missio). Die Kinder, die nicht mehr gestillt werden, werden abwechselnd von einer der Lehrerfrauen beaufsichtigt und mit Essen versorgt. Nach dem Rundgang fahren wir zu Abbé Theophile, der ganz in der Nähe wohnt und dort eine schöne Kirche hat. In dieser Kirche haben wir, gemeinsam mit dem Erzbistum, die Anschaffung der Bänke unterstützt. Es ist eine einfache, aber schöne und große Kirche, die Platz für 800 bis 1000 Menschen bietet. Auf dem Rückweg nach Piéla besichtigen wir in Fada noch die Produktionsstätte für die Kindernahrung „Misola“. Misola ist eine hochwertige Kindernahrung aus Hirse, Nüssen und Sonnenblumenöl. Das Besondere ist, dass, neben den guten Zutaten, der Brei kaum schleimt und deshalb für Kleinkinder sehr gut geeignet ist. Die Produktionsstätte ist sehr gut angelegt. Hier wird besonderer Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt. Das ist mitunter auch ein Grund, warum man nicht einfach etwas Ähnliches in Piéla bauen kann. Da es sich um eine Produktionsstätte für Nahrung handelt, braucht man auch in Burkina Faso eine Genehmigung von den Gesundheitsbehörden (Ministerium). Wir kaufen alle noch etwas von dem guten Baguette, das es nur in Fada gibt und fahren zurück nach Piéla. Am Abend sitzen wir bei einem Bier und Cesar eröffnet mir seine große Sorge, wer nach ihm die Cuo Fi weiterführen soll. Das ist eine begründete Sorge, da es schwer sein wird, jemanden zu finden, der sein Arbeit ähnlich gut und mit dem gleichen sehr großen Engagement wie Cesar leistet, aber auch, weil es im bestehenden Komitee niemanden gibt, der dies vom Bildungsstand leisten kann. Ich habe ihm nur den Tipp geben können, dass er frühzeitig beginnen soll, sich umzuschauen und, dass er am besten nach einem jungen gebildeten Menschen sucht, der so engagiert ist, wie er es vor 18 Jahren auch war. Es ist gut, dass Cesar sich schon frühzeitig Gedanken zu dem Thema macht und diese auch mit mir teilt. 27.1.2015 Ich beginne so langsam mit dem Packen. Die vielen Geschenke für mich und die Pateneltern in Deutschland füllen alleine einen großen Koffer. Von meinen Sachen werde ich so einiges hier lassen, so habe ich meine Turnschuhe Nikola geschenkt, der sich sehr gefreut hat. Vormittags fahren wir kurz bei der Polizei vorbei, um uns für den Schutz zu bedanken und diesen zu bezahlen. Mit 40.000 CFA für 3 Einsätze ist der Schutz nicht zu teuer. Ich bin froh dass wir ihn nicht wirklich gebraucht haben. Nebenan im Bürgermeisterbüro geben wir die versprochenen 90.000 CFA für den Mitarbeiter ab, und der Präfekt dankt uns auch noch einmal für die Unterstützung. Mittags suche ich mit Matthias noch ein Patenkind in der Nähe von Piéla auf. Seine Familie ist sehr arm, schenkt mir aber trotzdem ein Huhn (ohne Worte). Am frühen Abend haben wir einen Termin im Gymnasium mit den Vertretern der Eltern und der Schulleitung. Der Schulleiter bedankt sich für die geleistete Unterstützung in Form von 1,5 Tonnen Reis, 150 Litern Sonnenblumenöl und 300 kg Nudeln, äußert aber auch gleichzeitig 14 direkt weitere Wünsche. Cesar ist später sehr sauer über dieses Verhalten. Auch die Elternvertreter danken für die Unterstützung und schenken mir eine sehr schöne Tasche. Zum Abschluss gehen wir noch in ein „Restaurant“. Da für mich etwas extra zubereitet wird und Cesar dies als für mich geeignet erklärt, esse ich auch ein Hähnchen: die Füße lasse ich aber übrig. 28.1.2015 Nach einem ruhigen Vormittag mit einem Besuch der Bank in Bogandé, wo wir noch etwas Geld holen, geht es am Nachmittage ein und aus. Zuerst kommt der alte Bürgermeister, um sich zu verabschieden und mit Cesar noch einige Sachen zu besprechen. Es wurden uns teilweise Unwahrheiten erzählt, die der Bürgermeister richtigstellen möchte. Der Präfekt hatte uns das Gleiche auch schon berichtet. Jean Jacques hat in den letzten Tagen einen Brief vorbeibringen lassen, in dem er erwähnt, dass er ganz gut ein Fahrrad gebrauchen könne, um die Strecke zur Schule besser bewältigen zu können. Da es in Piéla genügend Fahrräder zu kaufen gibt, bitte ich Matthias, mir eins zu besorgen. Kurze Zeit später steht er mit dem Fahrradverkäufer und 2 Rädern zur Auswahl im Hof. Ich wähle eins aus und sage dem Verkäufer, was er an diesem noch ändern muss (Licht und Fahrradkorb):eine Stunde später ist das fertige Rad wieder da. Unserer Reisplanung ist, dass wir morgen schon in Richtung Ouagadougou aufbrechen und auf dem Weg dorthin noch einige Termine erledigen( Schule für Adama, Treffen mit Cesars Frau Angeline und Einkauf von Mitbringsel), doch der Anruf von Ocades ändert diese Pläne. Man teilt uns mit, dass der Bohrtrupp morgen früh an der Bohrstelle ankommen werde. Somit werden wir erst am Freitag in Richtung Ouaga losfahren. Am späten Nachmittag besuchen wir noch einmal das Mädchenwohnheim, um uns alles noch einmal anzuschauen. Cesar berichtet, dass das Regenrückhaltebecken leider das Wasser nicht mehr lange hält. Es versickert einfach im Boden, was bei dem Lavaboden eigentlich kein Wunder ist. Ich weiß nicht, wie es früher das Wasser gehalten hat und, ob es Möglichkeiten gibt, das Becken wieder dicht zu bekommen, ohne Folie zu verlegen. Wir schauen uns auch noch einmal die Duschen und Toiletten an und ich erinnere Cesar, dass er ein Angebot zur Instandsetzung der Sanitäreinrichtungen einholen soll. Zu Hause findet währenddessen ein kleines Schlachtfest statt: Matthias, Jesopi und Nicola bereiten 4 Hähnchen für ein Abschlussessen vor Wir besuchen auf dem Rückweg noch Aimé und Anastasia. Die beiden freuen sich über ein Foto, welches ich mitgebracht habe: es wurde bei deren Besuch 2002 aufgenommen, als sie uns mit Werner bei uns zu Hause besucht haben und wir im Garten sitzen. Nach dem Abschlussessen mit dem Komitee lassen wir meinen Besuch noch einmal Revue passieren. Wir haben alle wichtigen Themen, die wir uns zu Beginn vorgenommen haben, erledigt und noch ganz viele kleinere quasi nebenbei mi t erledigt. Matthias bittet mich darum, bis zum nächsten Besuch nicht wieder 6 Jahre verstreichen zu lassen: es war in der Tat schon so lange her, dass Werner zuletzt in Piéla war. Das verspreche ich gerne. Neben den ganzen inhaltlichen Themen waren für mich die Gespräche mit Cesar zu ganz normalen und persönlichen Themen besonders wertvoll. Zwischen uns hat sich eine Freundschaft entwickelt, die unsere weitere Zusammenarbeit natürlich um einiges erleichtert. Wir trinken noch ein Bier zusammen und beenden den Tag mit einem Dankgebet. 29.1.2015 Da Wendy heute nicht zur Schule muss, starten wir langsamer in den Tag. Das ändert sich aber schlagartig, als der Anruf von OCADES kommt, dass sie an der Bohrstelle seien und gleich mit der Bohrung beginnen würden. So fahren wir umgehend nach Tampiena, um die Bohrung zu begleiten. 15 Es haben sich schon die ersten Schaulustigen eingefunden, als wir ankommen und die Bohrung startet wenige Minuten später. Jetzt heißt es hoffen. Nach ca. 30 Metern kommt erstmals nasser Bohrstaub an die Oberfläche und wenig später das erste Wasser. Sehr schnell kann uns der leitende Ingenieur die voraussichtliche Wassermenge benennen, die der Brunnen liefern wird. Schon an Cesars Miene erkenne ich, dass es ein guter Brunnen wird. 9000 Liter je Stunde sollen hier förderbar sein. Der Leiter der Ocades ruft direkt an und sagt, dass wir hier einen Wasserspeicher errichten sollen, um diese hohe Kapazität auch auszunutzen. Das werden wir später gemeinsam entscheiden. Es wird noch bis auf 45 Meter Tiefe gebohrt und als das Wasser durch den Druck des Kompressors so richtig sprudelt, kommt ein großer Jubel bei den Bewohnern, aber auch bei den Arbeitern auf. Die Arbeiter bekommen heute auch die Hähnchen zum Dank geschenkt. Damit kann ich sehr gut leben. Nach der Bohrung bin ich wieder ziemlich rot, da ich das Ganze natürlich aus der Nähe miterleben wollte. Es ist gut dass wir unsere Fahrt nach Ouaga verschoben haben und so noch diese erfolgreiche Bohrung und die Freude der Menschen erleben konnten. Am Abend machen wir uns zum letzten Mal ein Hähnchen und es wird klar, dass es auf das Ende meines Besuchs zugeht. Ich freue mich sehr, wieder nach Hause zu kommen, jedoch ergreift mich auch Wehmut beim Gedanken, hier wieder weg zu müssen. Ich habe mich hier vom ersten Moment an sehr wohl gefühlt. Das liegt ganz besonders an der herzlichen Art, wie ich hier aufgenommen wurde. Trotz einiger Einschränkungen, die es hier im Vergleich zu meinem Leben in Deutschland gibt, habe ich, außer meiner Familie, nichts vermisst. Im Gegenteil: ich habe die afrikanische Art, Dinge, die man nicht ändern kann, hinzunehmen und, dass die Zeit nicht das Wichtigste ist, sehr genossen und mich trotz der Arbeit, die wir täglich hatten, sehr gut erholt. 30.1.2015 Die Zeit ist geflogen (O-Ton Cesar) und heute geht es nach Hause. Nachdem bis gestern Abend noch kleine Geschenke angekommen sind, habe ich jetzt alles, was ich mitnehmen möchte, in den Koffern. Der Rest bleibt hier und findet bestimmt Abnehmer. Ich habe in beiden Koffern je 23 kg und im Handgepäck ca. 10 kg. Um 4:30 sollte es losgehen und es sind schon alle da: Matthias, Jean Didier, Etienne und Veronique werden uns nach Ouaga begleiten. Wendy schläft noch und wird von Cesar nur aufs Sofa umgebettet. Sie wird nicht richtig wach und so bleibt mir ein trauriger Abschied erspart. Ich werde sie auf jeden Fall vermissen. Wir laden meine Koffer und die Taschen der andern auf und, nachdem wir im Mädchenwohnheim noch einen Schafsbock aufgeladen haben, geht es um 5:00 auf die Piste. Der Schafsbock ist als Hochzeitsgeschenk für einen Freund von Cesar gedacht, der morgen in Ouaga heiratet. Da es noch dunkel ist und wir einen Bock auf der Ladefläche haben, geht es relativ langsam über die Piste und wir erreichen Ouaga gegen 9:00 Uhr. Hier laden wir zuerst unsere Koffer in den jeweiligen Herbergen ab. Danach liefern wir den Bock schon mal beim Brautpaar ab. Anschließend stürzen wir uns in den Verkehr von Ouaga und suchen den Basar, in dem man am besten Souvenirs kaufen kann. Ich wollte eigentlich nur einige kleine, für Burkina Faso typische, Dinge kaufen. Doch dann beginnt Cesar auch noch, Geschenke für Martina, Werner usw. zu kaufen. Ich sage ihm, dass mein Koffer voll ist und auch in meinen Rucksack nichts mehr reingeht. Dann solle ich halt etwas anderes hier lasse, so der Kommentar von Cesar. Anschließend suchen wir ein Restaurant zum Essen, und da das ausgewählte geschlossen ist, fahren wir zum Restaurant, in dem wir auch am ersten Tag gegessen haben. Für mich gibt es dort ein kleines Steak, die anderen nehmen Hähnchen und dazu noch ein Reisgericht. Anschließend ruhen wir uns etwas aus und fahren Angeline und Artur, Cesars Ehefrau und Sohn, abholen. Mittlerweile ist der Verkehr fast zum Erliegen gekommen und wir benötigen ewig bis zum Bahnhof. Ich freue mich, die beiden doch noch kennenzulernen. Artur ist die kleine Kopie seiner Schwester mit dem Unterschied, dass er etwas reservierter mir gegenüber ist. Gemeinsam fahren wir die anderen abholen und dann zur Herberge, 16 um mein Gepäck aufzuladen. Es bleibt leider nur wenig Zeit um ein paar Bilder zu machen, denn wir müssen erneut durch die halbe Stadt zum Flughafen und ich habe keine Lust auf Stress beim Abflug. Wir sind um kurz vor 8 am Flughafen und es ist genügend Zeit, noch etwas Fußball mit Artur zu spielen. So langsam taut er auf. Dann heißt es, Abschied zu nehmen. Wir machen das recht kurz und schmerzlos, obwohl mir zum Heulen zumute ist. Cesar bringt mich zur Abfertigung und dann bin ich nach langer Zeit mal wieder alleine. Die Kontrollen sind sehr genau und irgendwann geht es zur Maschine. Ich glaub, ich bin schon vor dem Abheben des Flugzeugs eingeschlafen. Trauer macht mich immer müde. Nachdem ich das Essen verpasst habe, werde ich wach und kann nicht wieder einschlafen. In Brüssel erwarten mich Martina und Werner mit Broten, Kaffee und Würstchen: den Mengen nach zu urteilen, dachten sie bestimmt, ich sei in Burkina Faso verhungert. Ich bin froh die beiden zu sehen und auf der Fahrt nach Hause kann ich schon den ersten Bericht geben. Daheim hat Annika Frühstück gemacht, und so endet meine Reise im Kreise der Familie mit Werner und Käthe mit einem schönen Frühstück. Jetzt heißt es, sich nicht zu erkälten, denn der Temperaturunterschied von gestern auf heute beträgt 40 Grad! Wenn ich mir hier eine fiebrige Erkältung einfange, kann es passieren, dass man mich erst einmal isoliert, weil ich gerade aus Afrika komme. Darauf kann ich verzichten. Fazit: Mit Cesar haben wir den besten Mann in Piéla, den man sich vorstellen kann. Er hat das Herz auf dem rechten Fleck und hilft zur Not den Menschen, die ihn um etwas bitten, mit eigenem Geld aus. Auch hat er für jeden ein offenes Ohr und nimmt sich der Probleme der Menschen an. Er kann sehr gut Wichtiges von weniger Wichtigen unterscheiden und seine Wünsche, bzw. die der Menschen in Piéla, sehr gut vortragen. In den 25 Tagen haben wir sehr viel diskutiert und ich habe immer wieder festgestellt, dass wir in unseren Meinungen sehr nahe beieinander liegen. Ich denke, dass wir beide jetzt wissen, wie der andere denkt und dies macht die Zusammenarbeite sehr viel einfacher. Mir hat die Reise gezeigt, dass die Entscheidung im letzten Jahr, den Vorsitz der Partnerschaft zu übernehmen, die richtige war. Mein Respekt vor dem, was Werner in den 20 Jahren geleistet hat, ist noch einmal gewachsen: wenn ich mir nur vorstelle, welches Abenteuer die erste Reise, die er mit Tanja und Regina hierher unternommen hat, gewesen sein muss! Ich war ja durch ihn und die Berichte der anderen Besucher, aber auch durch das Internet, sehr gut vorbereitet. Für die Unterstützung vor und auch während der Reise möchte ich an dieser Stelle Werner noch einmal ganz herzlich danken! Die Reise war ein Erfolg für die Partnerschaft, und für mich eine Erfahrung, die ich nie mehr missen möchte. Ich bin im Herzen ein Stück weit ein Burkinabé geworden und werde, wenn ich gesund bleibe, ganz sicher noch öfter nach Piéla reisen. Hoffentlich auch mal mit Martina. Ganz zum Schluss danke ich Martina, dass sie mich, trotz ihrer Ängste um mich, so unterstützt hat. Danke an alle: Merci , Merci, Merci. Euer Uli PS: Ich träume auch knapp 3 Wochen nach meiner Rückkehr fast jede Nacht von Afrika.

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